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Landtag SPD stellt Zehn-Punkte-Programm zur Inklusion im Südwesten vor / Mehr Geld nötig und 120 unbesetzte Stellen offen

Pädagogische Assistenten sollen aushelfen

Stuttgart.Die SPD im Stuttgarter Landtag fordert von Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und der gesamten Schulverwaltung mehr Engagement bei der Umsetzung der Inklusion, also dem gemeinsamen Lernen von behinderten und nicht-behinderten Kindern. „Im Schulalltag klaffen Anspruch und Wirklichkeit noch weit auseinander. Gerade CDU-Politiker haben keine große Begeisterung für die Inklusion“, sagte SPD-Landtagsfraktionschef Andreas Stoch gestern in Stuttgart.

Seit der Abschaffung der Sonderschulpflicht im Schuljahr 2015/2016 können Eltern eines Kindes mit sonderpädagogischem Anspruch dieses auch auf eine allgemeinbildende Schule schicken. Im Schuljahr 2016/2017 hatten fast 57 300 Kinder mit einem solchen Anspruch eine allgemeinbildende Schule besucht. Stoch stellte gestern ein Zehn-Punkte-Programm vor, mit dem die Inklusion im Südwesten vorangetrieben werden soll.

So will es die SPD unter anderem ermöglichen, dass die im Südwesten momentan 120 nicht besetzten Stellen für Sonderpädagogen besetzt werden, indem etwa pädagogische Assistenten deren Aufgaben übernehmen.

Multiprofessionelle Teams

Zudem schlagen die Sozialdemokraten vor, dass in einem Modellversuch an 44 Schulen (eine Bildungseinrichtung pro Stadt- und Landkreis in Baden-Württemberg) sogenannte multiprofessionelle Teams gebildet werden sollen. Bei dem Projekt sollen etwa Sozialarbeiter, Ergotherapeuten oder Soziologen die Lehrer zeitweise bei der Umsetzung der Inklusion unterstützen. Zusätzliche Finanzmittel in Höhe von 100 000 bis 200 000 Euro pro Schule seien dafür nötig. Weiter sollen an allen Schulen Inklusionsentwicklungspläne erstellt werden. Darin enthalten sein müsse auch das Zwei-Pädagogen-Prinzip, also dass in jeder Klasse zwei Lehrer für eine bessere Integration behinderter Schüler in den Unterricht sorgen sollen.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz, übte Kritik an der Politik der Landesregierung. „Inklusion ist das Thema, bei dem ich mich am meisten dafür schäme, wie stiefmütterlich Grüne und CDU in der Landesregierung, aber auch viele Gemeinden und Städte in unserem wohlhabenden Land damit umgehen“, so Moritz.

Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann reagierte mit Unverständnis auf die SPD-Vorwürfe. „Wie Herr Stoch richtig festgestellt hat, ist die Inklusion ein komplexer Prozess. Zahlreiche von der SPD aufgemachte Punkte gehen wir deshalb bereits an oder sind schon in der Umsetzung“, sagte Eisenmann. So solle die Steuerung der Inklusion in der Schulverwaltung verbessert werden. Auch das Thema Multiprofessionalität werde ab Herbst an acht Grundschulen im Südwesten erprobt.