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Bildung Nur 28 Gymnasiallehrer wechseln in Grundschulen

Pensionäre retten Unterricht

Stuttgart.Viele Grundschulen vor allem im Ländlichen Raum starteten im September mit einem Minus in das neue Schuljahr: Sie hatten zu wenige Lehrer. Landesweit waren zum Unterrichtsbeginn in den Grundschulen 365 Stellen nicht besetzt. Drei Monate nach Schuljahresbeginn hat sich die Lage laut Kultusministerium durch ein Bündel von Sofort-Maßnahmen leicht entschärft: Temporäre Abordnungen von Lehrkräften in Mangelgebiete, Erhöhungen von Teilzeit-Deputaten, mehr Flexibilität bei der Einstellung und vor allem der verstärkte Einsatz von pensionierten Lehrkräften haben den staatlichen Schulämtern zumindest etwas Luft zum Handeln gegeben.

Ohne den Einsatz der Senioren wäre die Lage in den Klassenzimmern allerdings weit dramatischer: Gegenwärtig sind laut Angaben des Kultusministeriums rund 800 Pensionäre an den Grundschulen landesweit im Einsatz, die insgesamt 430 Lehrerstellen abdecken.

Auch pensionsfähige Pädagogen können freiwillig bis zum 69. Lebensjahr weiterarbeiten. Zudem wurden durch die Erhöhung von Teilzeitdeputaten insgesamt 70 zusätzliche Stellen besetzt. Auf wenig Interesse bei beschäftigungslosen Gymnasiallehrern ist dagegen bislang das Angebot gestoßen, an eine Grundschule zu gehen: Von 1800 persönlich angeschriebenen Pädagogen haben sich laut Kultusministerium lediglich 28 dafür entschieden. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht dennoch eine positive Entwicklung: „Durch die Kombination dieser Maßnahmen, die sowohl kurzfristige als auch strukturelle Verbesserungen umfassen, hat sich eine deutlich verbesserte Versorgungssituation ergeben.“

Absolventen reichen nicht aus

Obwohl das Land die Studienanfängerplätze für das Lehramt Grundschule bereits nach oben korrigiert hat – von 970 im Jahr 2015 auf 1272 Studienplätze im laufenden Jahr – kann die Zahl der Absolventen nicht mit dem Bedarf Schritt halten. Die Tatsache, dass zwischen zehn und 30 Prozent der ausgebildeten Grundschullehrer dann gar nicht zum Unterricht antreten, lässt kaum auf schnelle Besserung hoffen. Mit einer „Aktivierungs- und Abordnungskampagne“ könnten die Lücken jedenfalls nicht gestopft werden, sagte GEW-Landessprecher Matthias Schneider. „Ergebnisse wie zuletzt bei der IGLU-Studie sind eine Folge davon, dass die Verantwortlichen in der Landesregierung Grundschulen seit Jahren stiefmütterlich behandeln.“