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Ausgrabung Gericht spricht Grundstücksbesitzer 773 000 Euro für römisches Bronze-Fundstück zu

Pferdekopf macht Landwirt reich

Archivartikel

Limburg.Im Streit um einen römischen Pferdekopf aus Bronze soll das Land Hessen einem Landwirt 773 000 Euro zahlen. Das entschied das Landgericht Limburg gestern. Die Richter schlossen sich der Einschätzung einer Gutachterin an, die den Wert der antiken Skulptur auf gut 1,6 Millionen Euro schätzte.

Archäologen hatten den Pferdekopf 2009 auf dem Grundstück des Landwirts aus Lahnau (Lahn-Dill-Kreis) gefunden, die Skulptur ging in den Besitz des Landes über. Nach der damaligen Rechtslage muss der Landwirt die Hälfte des Wertes als Entschädigung bekommen. Er und das Land hatten sich jedoch nicht auf einen Betrag einigen können –der Mann zog vor Gericht.

Während der Landwirt anfangs davon ausging, dass ihm 1,8 Millionen Euro zustehen, zahlte Hessen zunächst nur 48 000 Euro. Das Urteil der Limburger Richter ist noch nicht rechtskräftig. Das hessische Wissenschaftsministerium in Wiesbaden teilte gestern mit, das Land werde erst nach Prüfung der konkreten Urteilsbegründung entscheiden, ob es Berufung beim Oberlandesgericht Frankfurt einlege. Sollte die Summe fällig werden, dann stehen dem Landwirt laut Urteil zusätzlich Zinsen zu. Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein (CDU) kündigte an, sich am kommenden Dienstag (31. Juli, 11.00 Uhr) zur Zukunft des Pferdekopfes äußern zu wollen.

Der Kopf ist Teil eines Reiterstandbilds, das wohl Kaiser Augustus (63 v. bis 14 n. Chr.) darstellte. Nach den Worten des Limburger Richters ist der Wert eines solchen Unikates schwer zu ermitteln. Allerdings habe das sehr fundierte Gutachten die Kammer überzeugt. Die Expertin war vom Gericht beauftragt worden.

Besucherzentrum bei Fundstelle

Sie habe dem Kopf zwei Referenzobjekte gegenübergestellt – einen Helm und einen Arm – die bereits bei Auktionen unter den Hammer gekommen seien, erläuterte gestern der Richter. Da solche Funde nicht ins Ausland verkauft werden dürften, sei für die Wertermittlung nur der nationale Kunstmarkt ausschlaggebend.

Der Fall war im Dezember 2016 vor dem Limburger Landgericht gelandet. Der Zivilrichter schlug einen Vergleich über rund 500 000 Euro vor, der aber nicht zustande kam.

Der 15 Kilogramm schwere und 59 Zentimeter lange Kopf war in etwa elf Metern Tiefe in einem Holzfass am Boden eines einstigen Brunnenschachts gefunden worden. Seine Entdeckung galt als Sensation. Experten sprachen von einem „Fund mit Weltrang“. Der filigran gearbeitete Pferdekopf sei wegen seiner Einmaligkeit auf einer Stufe mit der Himmelsscheibe von Nebra (kleines Bild links) und dem Keltenfürsten vom Glauberg (kleines Bild rechts) zu sehen, heißt es auf der Webseite des Fördervereins „Römisches Forum Waldgirmes“. Der Kopf wurde restauriert und soll einmal im Römerkastell Saalburg in Bad Homburg gezeigt werden.

Der Förderverein hatte sich dafür starkgemacht, ein Besucherzentrum in der Nähe der Fundstelle des Bronzekopfs zu bauen. Allerdings muss – sobald das Urteil rechtskräftig ist – noch die Finanzierung für das etwa 700 000 Euro teure Zentrum geklärt werden. Daneben muss der Verein Sponsoren finden. Die Förderer sind für das Projekt neben Spenden unter anderem auf einen Zuschuss der Gemeinde angewiesen. Mit dem geplanten Besucherzentrum will der Verein nach Angaben des Vorsitzenden Wilfried Paeschke zeigen, „dass unsere Region um Christi Geburt eine wichtige politische Rolle im damaligen Römischen Reich spielte“. Vieles deute darauf hin, dass hier Römer und Germanen gehandelt hätten.

Rätsel um Zerstörung

Neben dem Pferdekopf konnten auch der Fuß des Reiters und ein Teil des Pferdefußes gefunden werden. Ein Rätsel bleibt jedoch, warum das Reiterstandbild zerschlagen wurde. Waren es die Römer, die ihre um 4 vor Christus gegründete Stadt im Jahr 16 wieder aufgaben? Oder waren es die einheimischen Germanen?

Mittelpunkt der Stadt Lahnau war das Forum, das Wirtschafts- und Verwaltungszentrum. Heute bilden Mäuerchen am Rand eines Feldes den Umriss nach. Auf einem Sockel in der Mitte des Areals ruht ein goldfarbenes Reiterstandbild. Es soll Besuchern eine Ahnung davon vermitteln, wie das Original gewirkt haben könnte.