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Landtag Sanierung im früheren Wiesbadener Stadtschloss dauert ein Jahr länger / Kosten nun bei mehr als 20 Millionen Euro

Pilzbefall zerstört Zeitplan

Archivartikel

Wiesbaden.Sie heißen Hausschwamm, Hausporling und Hausbock und haben eines gemeinsam: Sie machen die Sanierung des Dachgeschosses im historischen Teil des Hessischen Landtags aufwendig, teuer und vor allem langwierig. Immerhin ist jetzt zumindest der Wiederaufbau des Dachstuhls fertig, so dass am Freitag Richtfest im ehemaligen Stadtschloss gegenüber von Marktkirche und Rathaus in Wiesbaden gefeiert werden konnte. Doch damit ist das Projekt noch lange nicht fertig, wie die offenen Mauer- und Holzteile rund um die für das Fest aufgestellten Bänke für die geladenen Gäste anzeigten.

Schuld an allem ist eine Bombe, die im Frühjahr 1945 im Dachbereich des einst als Residenz für die Herzöge von Nassau errichteten Schlosses einschlug. Davon abgesehen hat der klassizistische Zwei-Flügel-Bau die Kriegswirren gut überstanden, so dass der Komplex schon 1946 zum Sitz des Hessischen Landtags erklärt werden konnte. Wie sich später herausstellte, verlief die Reparatur der Bombenschäden aber alles andere als fachgerecht. In Teile des Dachstuhls und der Wände drang Feuchtigkeit ein, und so entwickelte sich ein umfangreicher Pilz- und Schädlingsbefall, der zu allem Überfluss auch noch viele Jahre lang unbemerkt blieb. Erst 2008 wurde vor allem weit verbreiteter Hausschwamm im Dachgeschoss entdeckt. Zu dessen Bekämpfung und der Beseitigung der Schäden erwies sich eine umfassende Sanierung samt Erneuerung der Dachkonstruktion als notwendig, für die 2017 die ersten Vorbereitungen getroffen wurden.

Mauerwerk geschädigt

Dabei stellte sich allerdings heraus, dass der Hausschwamm wesentlich weiter verbreitet war als bei den Voruntersuchungen erkennbar – und es zudem auch noch zusätzlichen Pilz- und Schädlingsbefall gab. Auch sind die Deckenbalken unter dem Dachgeschoss sowie das Ziegelmauerwerk betroffen. Deswegen müssen auf rund 500 Quadratmetern Hölzer ausgetauscht und zusätzlich 1500 Injektionen ins geschädigte Mauerwerk eingebracht werden. Wie Landtagspräsident Boris Rhein und Finanzminister Thomas Schäfer (beide CDU) bei dem Richtfest bekanntgaben, wird sich deshalb die gesamte Baumaßnahme um ein Jahr verzögern. Statt bis Ende nächsten Jahres wird sie nunmehr bis Ende 2021 dauern. Wenigstens aber soll das Gerüst bis zum Frühsommer 2021 abgebaut werden. Die restlichen Arbeiten finden danach nur noch im Innern des Gebäudes statt, das derzeit noch zum Marktplatz hin mit Transparenten zugehängt ist, die nur ein Abbild der eigentlichen Fassade zeigen.

Damit sich die Wiesbadener und andere Interessierte schon einmal ein Bild vom Baufortschritt innerhalb des Landtags machen können, gibt es an diesem Samstag Baustellenbesichtigungen im 20-Minuten-Takt zwischen 11 und 17 Uhr.

Die ganze Sanierung wird nicht nur länger dauern, sondern natürlich auch mehr kosten. Von den ursprünglich veranschlagten 18,1 Millionen Euro erhöhen sich die Ausgaben dafür laut Schäfer nunmehr auf voraussichtlich etwa 20,4 Millionen Euro.

Wichtiges Wahrzeichen

Der Finanzminister tröstet sich mit der Bedeutung des Landtagsgebäudes im Stadtbild. „Das historische Stadtschloss ist eines der wichtigsten Wahrzeichen unserer Landeshauptstadt und darüber hinaus Arbeitsplatz für rund 190 Menschen, die im Hessischen Landtag tätig sind“, sagte Schäfer. Und der Wiesbadener Oberbürgermeister Gerd-Uwe Mende, der als langjähriger SPD-Fraktionsgeschäftsführer in dem Parlamentsgebäude gearbeitet hat, kam „als Nachbar“ zu dem Richtfest und erzählte, wie er von seinem Amtszimmer im gegenüberliegenden Rathaus die Baustelle im Blick hat.

Die parlamentarische Arbeit wird durch die Sanierungsarbeiten nicht allzu sehr beeinträchtigt, da Plenarsaal, Fraktionsräume und Abgeordnetenbüros ebenso wie die Säle für Ausschusssitzungen in anderen Teilen des Areals untergebracht sind. Teile der Verwaltung mussten allerdings schon zu Beginn der Arbeiten vor zwei Jahren in Container auf dem Hof des Landtags umziehen.