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Proteste Im Dannenröder Forst steht der Konflikt um den Weiterbau der Autobahn 49 vor neuer Eskalationsstufe

Polizei bereitet sich auf Großeinsatz vor

Archivartikel

Gießen.Vor den anstehenden Rodungen im Dannenröder Forst für den Lückenschluss der A 49 hat die Polizei an die Autobahn-Gegner appelliert, friedlich zu bleiben. Es sei damit zu rechnen, dass sich auch gewaltbereite Personen in dem Waldstück bei Homberg (Ohm) aufhalten, sagte ein Polizeisprecher am Montag in Gießen. Und: „Wir werden keine Straftaten dulden.“ Eine Sprecherin betonte: „Friedlicher Protest ja, Gewalt nein.“

Gegen den umstrittenen Weiterbau der Autobahn 49 protestieren seit Wochen Umwelt- und Klimaschützer. Aktivisten haben im Dannenröder Wald Baumhauscamps errichtet und halten diesen so besetzt. Die Polizei ging davon aus, dass in dem Forst „in den nächsten Tagen“ die Rodungsarbeiten beginnen werden. Im Zusammenhang mit der deswegen anstehenden Räumung des Forstes könnten die Proteste an Fahrt gewinnen. Die Polizei will mit mehreren hundert Kräften vor Ort sein.

Wann genau der Einsatz beginnt, wollte die Polizei aus taktischen Gründen nicht bekannt geben. Sie rechnet aber mit einigen Hindernissen. So gebe es um die 400 meterhohe Barrikaden, die teils mit Beton im Boden fixiert seien. Wie viele Gegner halten sich derzeit im Wald auf? Die Beamten gehen von einer Zahl im unteren dreistelligen Bereich aus, die sich auf elf Camps verteilen. Man wolle besonnen bei der Räumungsaktion vorgehen, da spiele der zeitliche Ablauf eine untergeordnete Rolle, hieß es. „Sicherheit geht vor Geschwindigkeit.“ Das Wichtigste sei, dass niemand zu Schaden komme.

Seit rund einem Monat sind zahlreiche Beamte wegen der Rodungen und Proteste im Einsatz, bislang insbesondere im Herrenwald bei Stadtallendorf (Kreis Marburg-Biedenkopf). Zu Höchstzeiten seien täglich rund 2000 Kräfte aus Hessen und ganz Deutschland vor Ort gewesen, hieß es. Bislang wurden den Angaben nach über 150 Strafanzeigen aufgenommen und mehr als 200 Ordnungswidrigkeiten festgestellt. Von etwa 600 Menschen nahm die Polizei die persönlichen Daten auf.

Aktivisten kündigten weiteren Widerstand gegen die Rodungen an: „Wir setzen alles daran, dass die Zerstörung „gar nicht weiterkommt“ und stattdessen #Klimagerechtigkeit an erster Stelle steht“, schrieb die Initiative „Aktion Schlagloch“ am Montag auf Twitter. Aktivisten aus der Waldbesetzung twitterten, sie arbeiteten daran, dass sich die Barrikaden „gar nicht entfernen lassen“.

Unterdessen war die Polizei auch am Montag wieder bei Stadtallendorf im Einsatz, weil sich erneut ein Aktivist in einem über der Bundesstraße 62 gespannten Stahlseil aufgehalten hatte. Die Straße musste kurzzeitig gesperrt werden. Das sei „inakzeptabel und habe mit friedlichem Protest nichts zu tun“, sagte der Sprecher. Die Gegner der A 49 lehnen den geplanten Lückenschluss der Autobahntrasse aus Klima- und Umweltschutzgründen ab, Befürworter erhoffen sich weniger Verkehrsbelastung in Dörfern der Region und eine bessere Anbindung für Pendler und Unternehmen. lhe