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Atommüll Gewerkschaften verlangen Absage / Sechs Behälter sollen ins Atomkraftwerk Biblis gebracht werden

Polizei gegen Castortransport

Nordenham/Biblis.Im Frühjahr wurde er abgesagt, nun soll er rollen: Deutsche Sicherheitsbehörden bereiten sich auf einen Castor-Transport vom britischen Sellafield über Niedersachsen ins südhessische Biblis vor. Das bestätigten die Innenministerien von Niedersachsen und Hessen. Die Polizeigewerkschaften fordern aber, den Castortransporabzusagen. „Wenn nun von der Polizei erwartet wird, dass sie die Corona-Auflagen und den Gesundheitsschutz stärker durchsetzen soll, dann ist es aus unserer Sicht nicht vereinbar, dass Anfang November ein Nukleartransport von der Polizei quer durch Deutschland begleitet werden soll“, sagte der Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek,. Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) plädierte für eine Absage. „Wir werden künftig personell nicht mehr in der Lage sein, mehrere zeitgleich verlaufende Großeinsätze bewältigen zu können.

Der Transport der sechs Behälter war zunächst für das Frühjahr geplant. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde er im März auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Bundesinnenministerium hielt den notwendigen Polizeieinsatz damals nicht für verantwortbar. Atomkraftgegner rechnen damit, dass der Transport etwa Anfang November im Hafen im niedersächsischen Nordenham ankommen wird.

Tausende Kräfte im Einsatz

Bei vergangenen Castortransporten waren Tausende Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet im Einsatz. Radek erwartet, das dies auch beim nächsten Transport wieder der Fall wäre. Er betonte, der Gesundheitsschutz müsse Priorität haben – auch für Polizistinnen und Polizisten.

Wann genau die Castoren nach Südhessen gebracht werden sollen, ist nicht bekannt. Die beauftragte Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) hatte Ende September mitgeteilt, die Vorbereitungen für den Transport aus Großbritannien seien wiederaufgenommen worden. Die Transportgenehmigung für die Castoren gilt nach Angaben einer Sprecherin des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) bis 31. Dezember 2020. Das Amt ist dem Bundesumweltministerium unterstellt.

Deutschland muss aufgrund internationaler Verpflichtungen seinen im Ausland wiederaufbereiteten Atommüll zurücknehmen. Noch heute lagern in den Wiederaufbereitungsanlagen im französischen La Hague und im britischen Sellafield Castoren mit radioaktiven Abfällen aus deutschen Atomkraftwerken. Bis 2011 wurden diese im Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben untergebracht. Jetzt müssen sie dezentral gelagert werden, unter anderem auch am Standort des früheren Atomkraftwerks Biblis in Südhessen.

Welche Route der Castor-Transport auf deutschem Boden nehmen wird, ist unklar. Sowohl die GNS als auch die Sicherheitsbehörden schweigen. Klar ist nur, dass die Castoren in einem deutschen Seehafen ankommen und auf Waggons verladen werden. Anschließend geht es nach Biblis. Atomkraftgegner gehen davon aus, dass das Schiff den niedersächsischen Hafen Nordenham anlaufen wird.

Bei früheren Transporten kam es immer wieder dazu, dass Gleise blockiert wurden oder Aktivisten sich anketteten. Auch jetzt sind wieder Protestaktionen geplant. Wann genau der Transport startet, ist unklar. Angeblich soll es die erste November-Woche sein.

Nach Biblis rollen zum letzten Mal Castoren. Mit den sechs erwarteten stehen im Zwischenlager nach Angaben der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung dann 108 Behälter, erlaubt wären 135. Weitere Transporte wird es aus Sellafield nach Brokdorf in Schleswig-Holstein, und zum Kraftwerk Isar in Bayern sowie aus La Hague nach Phillipsburg in Baden-Württemberg geben. Bis in zwei Jahren sollen alle Meiler abgeschaltet sein. Wenn es dann in Jahrzehnten wie geplant ein Endlager geben sollte, wird der Atommüll von den Zwischenlagern dorthin transportiert. lhe