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Fall Susanna Ali B. wird nach neuen Vorwürfen Haftrichter vorgeführt / Kritik an Behörde

„Polizei hat den Fall sehr ernst genommen“

Archivartikel

Wiesbaden.Seit fast vier Wochen sitzt Ali B. als mutmaßlicher Mörder der 14-jährigen Susanna aus Mainz in Untersuchungshaft. Nun gibt es neue Vorwürfe gegen den 21-Jährigen. Und auch der Zeuge, der den Ermittlern den entscheidenden Hinweis auf Ali B. gab, wurde wegen Vergewaltigungsverdachts in Untersuchungshaft genommen. Das Wichtigste zum Stand der Ermittlungen:

Um welche Vorwürfe geht es derzeit?

Der Mord an Susanna: Susanna aus Mainz starb am Abend ihres Verschwindens (22. Juni) oder in der folgenden Nacht. Ali B. hat vor dem Ermittlungsrichter gestanden, die Jugendliche getötet zu haben. Eine Vergewaltigung bestreitet er aber.

Die mehrfache Vergewaltigung einer Elfjährigen: Ein elfjähriges Mädchen soll mehrfach vergewaltigt worden sein. Ali B. soll sich zweimal an ihr vergangen haben. Nach Angaben der Wiesbadener Staatsanwaltschaft stand der Iraker fünf Tage vor Susannas Verschwinden unter Verdacht.

Warum wurde Ali B. nicht schon damals festgenommen?

Nach dem Fund von Susannas Leiche am 6. Juni hatte Wiesbadens Polizeipräsident Stefan Müller gesagt, es lasse sich nicht mit Sicherheit sagen, ob eine Vergewaltigung stattgefunden hat. Die Ermittler versuchten offenbar mehrfach, die Elfjährige zu vernehmen, sie äußerte sich aber zunächst nicht. Erst in den vergangenen Tagen erhärtete sich der Verdacht. Ein weiterer Haftbefehl wurde beantragt, am 12. Juli soll Ali B. vor dem Haftrichter erscheinen.

Warum ist der Zeuge, der auf Ali B.’s Spur führte, auch in U-Haft?

Zunächst war von einem 13-jährigen afghanischen Flüchtling die Rede, der sich im Juni bei der Polizei meldete und entscheidende Hinweise auf den Fundort von Susannas Leiche und auf Ali B. gab. Inzwischen gehen die Ermittler davon aus, dass er 14 Jahre alt ist. Zusammen mit Ali B. soll er die Elfjährige im Mai vergewaltigt haben. Die Anklage wirft ihm zudem eine weitere Vergewaltigung vor. Seit 2. Juli befindet sich der Jugendliche in Untersuchungshaft.

Welche weiteren Vorwürfe stehen noch im Raum?

Die Staatsanwaltschaft macht aus ermittlungstaktischen Gründen vorerst keine weiteren Angaben. Zudem müssten im Fall der Elfjährigen die Opferschutzrechte sowie das jugendliche Alter eines Tatverdächtigen berücksichtigt werden. Medienberichten zufolge soll ein 13 Jahre alter Bruder von Ali B. unter Verdacht stehen, sich an der Vergewaltigung der Elfjährigen beteiligt zu haben. Er wäre jedoch aufgrund seines Alters nicht strafmündig.

Was ist mit dem zweiten Tatverdächtigen im Fall Susanna?

Zunächst war auch ein 35-jähriger Mann festgenommen worden – der Türke kam aber schon nach einem Tag wieder frei, weil kein dringender Tatverdacht bestand. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

Wie wird die Rolle der Behörden bewertet?

Nach dem Leichenfund war Kritik aufgekommen, ob umfassend genug ermittelt wurde. Susanna war zuvor schon mehrfach von zu Hause verschwunden. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) verteidigte die Polizei: „Die rheinland-pfälzische Polizei hat diesen Fall sehr, sehr ernst genommen.“ Als Susanna vermisst wurde, seien alle zulässigen Maßnahmen zeitgerecht ergriffen worden. Die Mainzer Polizei ging nach eigenen Angaben anfangs nicht von einem Verbrechen aus. Auch in Hessen sehen die Behörden bei den weiteren Ermittlungen keine Fehler.