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Ausbildung Ministerium bereitet Kampagne für neue Bewerber vor / 90 von 1800 Plätzen noch unbesetzt

Polizei leidet unter Nachwuchsmangel

Stuttgart.Es ist die größte Einstellungsoffensive der Polizei in Baden-Württemberg. Jeweils 1800 Anwärter will Innenminister Thomas Strobl (CDU) in diesem und im nächsten Jahr einstellen. Nun muss der Minister einräumen, dass bereits 2018 mangels qualifizierter Bewerber 90 Plätze nicht besetzt werden konnten. „Wir werden unsere Anstrengungen noch einmal hochfahren und die Ärmel weiter hochkrempeln“, verspricht er. Gerade lässt der CDU-Minister eine Werbekampagne vorbereiten, um die Lücken zu schließen.

„Wir haben ein riesiges Problem von unseren Vorgängern übernommen“, verweist Strobl auf die „personelle Abwärtsspirale“ bei der Polizei unter Verantwortung der bis 2016 regierenden grün-roten Koalition. In einem „echten Kraftakt“ habe man unter seiner Verantwortung die Kapazitäten für Aus- und Fortbildung ausgebaut. Auf die 1800 angebotenen Anwärterstellen hätten sich zwar 5600 Bewerber gemeldet. Doch diese hohe Zahl reichte nicht, um die eigens neu eingerichteten Ausbildungs- und Studienplätze ohne Abstriche bei der Qualifikation auch zu belegen.

Für das letzte Ausbildungsjahr hatte die Polizei noch unter 6400 Bewerbern auswählen können. 2017 stellte das Land 1400 Anwärter ein, nach Strobls Angaben schon die höchste Zahl seit Jahrzehnten. Eine Absenkung der Anforderungen für angehende Polizisten wollte Strobl nicht hinnehmen: „Bei allem Tempo und bei Anstrengungen darf die Qualität nicht auf der Strecke bleiben.“ Bei Wettbewerb um die besten Köpfe stehe das Land in Konkurrenz mit der Wirtschaft.

Strobl setzt darauf, dass die 90 noch offenen Plätze bis Jahresende nachbesetzt werden können. Neben der Werbekampagne denkt sein Haus darüber nach, kurzfristig einen weiteren Einstellungstermin im Spätherbst oder Winter anzusetzen. Die von den Polizeigewerkschaften geforderte Einstellung von 3000 Anwärtern sei jedenfalls nicht möglich. Strobl: „Die 1800 sind das absolute Limit. Da haben wir alles ausgereizt. Mehr geht nicht.“

Stellen zugesagt

Strobl hat im grün-schwarzen Koalitionsvertrag das Versprechen verankert, der Polizei in Baden-Württemberg 1500 zusätzliche Stellen zur Verfügung zu stellen. Neben 600 Angestellten sollten bis zur nächsten Wahl 900 Streifenpolizisten auf die Reviere kommen. Mit diesem personellen Ausbau hatte er die Aufstockung der Ausbildungskapazitäten begründet. Vor wenigen Tagen musste Strobl einräumen, dass dieses Ziel verfehlt wird, weil viele Beamte in Pension gehen. Deshalb werde es bis 2021 nur 232 Polizisten mehr geben als 2016. Das wären dann insgesamt 24 700. Der CDU-Minister denkt nun darüber nach, einzelne Polizeireviere nicht mehr rund um die Uhr zu besetzen, um die Präsenz auf der Straße zu sichern.