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Wettstreit 31 Zweierteams kämpfen um Deutsche Meisterschaft im Schneepflugfahren / Hilfreiches Sommer-Fahrtraining

Präzisionsarbeit mit Neuntonner

Gudensberg.„Bong“ ertönt es laut, als der Unimog gegen die grüne Tonne fährt. „Das gibt alles Strafpunkte“, sagt Kai Müller und gibt wieder Gas. Diesmal lenkt der 26-Jährige das schwere Gefährt eleganter zwischen den Hindernissen hindurch – rückwärts. Die größte Herausforderung: Der riesige Schneepflug an der Wagenfront darf die Tonnen nicht umreißen.

Eigentlich ist der Pflug überflüssig. Denn es liegt nicht eine einzige Schneeflocke im nordhessischen Gudensberg. Stattdessen ist es knapp 20 Grad warm. Müller, Mitarbeiter einer Autobahnmeisterei in der Region, trägt ein T-Shirt. Doch an diesem Wochenende geht es nicht ums Räumen von verschneiten Straßen, sondern um einen Wettkampf. Die besten Schneepflugfahrer Deutschlands messen sich.

Am Freitag und Samstag findet in der Kleinstadt nahe Kassel die Deutsche Meisterschaft im Schneepflugfahren statt. Ausrichter des Wettbewerbs ist Hessen Mobil, die Straßenverwaltung des Landes Hessen. „Der Wettbewerb soll deutlich machen, wie wichtig der Winterdienst auf Deutschlands Straßen ist“, erklärt Ulrich Hansel, Regionaler Bevollmächtigter der Behörde. Auch Werbung für die Straßendienste und die Ausbildung dort soll der Wettkampf sein.

Duos aus neun Bundesländern

Müller hat mittlerweile seine Runde absolviert. Er hat Kegel verschoben, ist über Rampen gefahren und hat punktgenau seinen Schneepflug auf die Straße abgesetzt. Sieben Minuten und 45 Sekunden hat der 26-Jährige für den Parcours gebraucht. „Die Jungs werden das sicher schneller schaffen“, sagt er.

Mit „Jungs“ meint er die Wettkampf-Fahrer. Denn der 26-Jährige fährt außer Konkurrenz. Seine Kenntnis der Strecke würde den Wettbewerb verzerren. Um die beste Platzierung kämpfen andere: 31 Zweierteams aus neun Bundesländern sind gemeldet. Sie kommen aus Straßen- und Autobahnmeistereien oder arbeiten bei Kommunen. Beispielsweise ist die Berliner Stadtreinigung vertreten, ebenso die Städte Karlsruhe und Wuppertal. Wer beim Kampf um die Meisterschaft mitfährt, wurde in der Regel durch Vorentscheide geklärt.

Das Räumfahrzeug ist mit unter 20 Stundenkilometer auf dem Parcours deutlich langsamer als ein Rennauto unterwegs. Ein bisschen Motorsport-Atmosphäre soll trotzdem aufkommen. So beginnt das Meisterschaftswochenende mit Trainingsläufen am Freitag. Für Samstag ist eine Qualifikationsphase geplant, bevor die zehn besten Teams um den Sieg kämpfen.

Alltags-Situationen simuliert

Tuning ist nicht erlaubt. Beim Schneepflugfahren kommt es allein aufs Können an. „Aus Wettbewerbsgründen fahren alle Teams mit demselben Fahrzeug“, sagt Hessen Mobil-Sprecherin Carola Siebert. Genutzt wird ein neun Tonnen schwerer Unimog mit Streugerät und Schneepflug.

450 Meter ist der Parcours lang. Die Aufgaben an den zwölf Stationen seien realen Situationen im Arbeitsalltag nachempfunden wie dem Lenken des Fahrzeugs durch enge Durchfahrten und dem Verschieben von Schneemengen bei engen Platzverhältnissen.

Die Wertung richtet sich nach der gefahrenen Zeit – und den Fehlern. Das verleiht dem Wettbewerb eine taktische Note. „Macht man Fehler, kann man das gegebenenfalls mit einer schnelleren Zeit wieder ausgleichen“, erklärt Siebert. Preise in Form von Geld und Sachwerten gibt es nicht. Die drei Bestplatzierten nehmen an der Europameisterschaft im Jahr 2020 in Österreich teil.

Laut dem ADAC ist ein Wettbewerb wie die Schneepflugmeisterschaft kein Jux: „Es ist durchaus anspruchsvoll, auf glatten Straßen zu fahren, wenn die Salzlauge hin- und herschwappt“, sagte ein Sprecher. Daher sei Fahrtraining – auch im Sommer – hilfreich.