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Nationalpark Besucherzentrum wird ohne CDU-Minister übergeben / Kosten haben sich auf 50 Millionen Euro verdoppelt

Prestigeprojekt für die Grünen

Stuttgart.Dem Rechnungshof dient das Besucherzentrum für den Nationalpark Schwarzwald als abschreckendes Beispiel staatlicher Baukunst. Mit der Kostensteigerung von 20 auf 50 Millionen Euro hat es das Projekt schon vor seiner Fertigstellung in das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes für staatliche Verschwendung geschafft. An diesem Freitag wird der Neubau nun an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) übergeben und sorgt schon wieder für Ärger. Dass bei der Feier drei Minister der Grünen auftreten dürfen, aber keiner der ihren, setzt die CDU-Seite der Koalition unter Spannung. „Jetzt nutzt man schon solche Gelegenheiten für den Wahlkampf“, klagt ein Schwarzer.

Das Besucher- und Informationszentrum am Ruhestein soll der zentrale Anlaufpunkt für die Besucher des 2014 eröffneten Nationalparks werden. Der Holzbau ist von dem renommierten Stuttgarter Büro Schlaich Bergermann Partner entworfen und sieht mit den nachempfundenen Baumstämmen spektakulär aus. Nach einer mehrwöchigen Testphase wird das Zentrum schrittweise öffnen. Publikum soll erst am 1. März 2021, zwei Wochen vor der Landtagswahl, Zutritt erhalten und dann wegen der Corona-Pandemie limitiert auf 400 Gäste pro Tag.

Der für den Betrieb zuständige Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) verteilt vorab Vorschusslorbeeren: „Ich bin überzeugt, dass das Parkzentrum, die Dauerausstellung und das wechselnde Veranstaltungsangebot dem Nationalpark einen noch größeren Freundeskreis verschafft.“ Die Grünen sind bei einem Herzensanliegen am Ziel.

CDU spricht von Wahlkampf

Das will der größere Regierungspartner nun alleine genießen. Neben Kretschmann und Untersteller sind mit der für den Hochbau zuständigen Finanzministerin Edith Sitzmann und Verkehrsminister Winfried Hermann zwei weitere Grüne als Redner vorgesehen. Forstminister Peter Hauk (CDU) war nur als Gast geladen, sagte aber angesichts der Zurücksetzung gegenüber seinen Grünen-Kollegen ab. Ganz vergessen wurde Tourismusminister Guido Wolf. Eine erhellende Auskunft aus dem Finanzministerium zur Auswahl ist nicht zu erhalten.

Die Schwarzen empört es, dass der für die Straßenanbindung zuständige Verkehrsminister Hermann reden darf und ihre Ressortchefs nicht. „Das Tourismusministerium hat sich schon früh für die Erstellung eines eigenen Tourismuskonzepts für die Nationalparkregion eingesetzt und dieses auch finanziell gefördert“, erinnert der Sprecher an Wolfs Verdienste. Er fügt spitz an: „Wenn die grünen Minister bei dieser Veranstaltung nun unter sich bleiben wollen, ist das deren Entscheidung. Für einen erfolgreichen Start wäre eine möglichst breite Beteiligung aller anzustreben.“

Als es kürzlich um die Finanzierung einer Parkbroschüre ging, waren die CDU-Ministerien noch gefragt. Da wurde sogar das von CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann geführte Kultusministerium um Geld angegangen.

Der Streit um die Finanzen hat das Prestigeprojekt seit der Planung begleitet. Auf 20,5 Millionen Euro war der Kostenrahmen von der damaligen grün-roten Regierung gedeckelt. Das hinderte das Preisgericht im Juli 2014 nicht, einen aufwendigen Gebäudetyp samt „Skywalk mit Aussichtsturm“ zu prämieren. Dass man an der Schwarzwaldhochstraße Parkplätze braucht, hatte man vergessen. Die Kosten für die Einrichtung kamen erst nach der Grundsatzentscheidung auf den Tisch. Noch vor Baubeginn stiegen die Kosten auf 28 Millionen, dann auf 37. Inzwischen beziffert das Finanzministerium die Gesamtkosten auf 50 Millionen Euro. „Wir gehen davon aus, dass wir uns in diesem Rahmen bewegen“, sagt ein Sprecher.

Der Rechnungshof hat sich von der grünen Euphorie nicht anstecken lassen. Die Prüfer verweisen auf die Nachteile des Gebäudes. Die Fassaden, die mitten im Schwarzwald teilweise aus Überseeholz gefertigten wurden, hätten keinen Witterungsschutz. Das führe zu deutlich erhöhten Kosten. Die Hölzer müssten „voraussichtlich bereits nach 15 bis 20 Jahren saniert werden“.

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