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Bildung Frankfurt will mit Standortfaktor punkten / 53 internationale Einrichtungen in Rhein-Main-Region

Privatschulen für Brexit gerüstet

Frankfurt/Wiesbaden.Gitta Lotz, Co-Direktorin der Europäischen Schule Rhein-Main, ist britisch-unaufgeregt, wenn von möglichen Brexit-Folgen für die internationale Schule die Rede ist. „Wir sehen das sehr entspannt“, sagte sie gestern in Frankfurt. Ängste, dass künftig Kapazitäten gesprengt und Schüler in überfüllten Klassenzimmern sitzen müssen, gebe es nicht. Noch hielten sich die Anfragen in Grenzen. Auch Amanda Ife von der International School Frankfurt-Rhein-Main konnte noch keine Angaben machen, wie viele zusätzliche Schüler aufgenommen werden können. „Wir haben natürlich Anfragen erhalten, aber wir müssen wissen, um welche Klassen oder Jahrgänge es geht.“

Der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) sieht Frankfurt und die Rhein-Main-Region zumindest mit der vorhandenen schulischen Infrastruktur bestens gerüstet für Brexit-Abwanderer mit schulpflichtigen Kindern. Aktuell böten insgesamt 53 private und staatliche Schulen das Internationale Abitur oder andere international anerkannte Schulabschlüsse an, sagte Frank. „Damit fahren wir in Sachen Wettbewerbsfähigkeit ein schweres Geschütz auf.“ Ähnlich wie der Frankfurter Flughafen oder die digitale Infrastruktur sei auch das so stark vertretene internationale Schulwesen ein Standortfaktor, mit dem Frankfurt punkten kann.

Private Einrichtungen meist teuer

Gerade ist eine weitere internationale Schule im Entstehen: Das King’s College Frankfurt will mit zunächst 30 Schülern im Grundschulbereich starten, ein Ausbau auf bis zu 600 Schüler auch im Sekundärbereich ist geplant. Der Lehrplan entspreche dem an britischen Schulen, sagte Schulleiterin Kirsty Sharp.

Ife rechnete allerdings nicht damit, dass sofort ein Exodus aus London einsetzt, wenn der Brexit vollzogen wird. Viele Familien wollten meist nicht gleich umziehen, sagte sie. Angesichts des kurzen Flugs von London nach Frankfurt pendelten wohl eher erst einmal diejenigen, für die mit dem Brexit eine Verlagerung des Arbeitsplatzes verbunden sei –die Familie bleibe im gewohnten sozialen Umfeld zurück.

Allerdings würden internationale Schulabschlüsse nicht ausschließlich an Privatschulen angeboten, betonte Frank. „Wir weisen immer wieder auf die Qualität der öffentlichen Schulen hin.“ An fehlenden Sprachkenntnissen vor allem englischsprachiger Schüler müsse der Besuch einer öffentlichen Schule jedenfalls nicht scheitern. So gebe es Schulen mit bilingualem Unterricht und Schulen, die außer dem deutschen Schulabschluss auch international anerkannte Schulabschlüsse anbieten, sagte er. Je nach dem Einkommen der Eltern dürfte das auch nötig sein. Denn während an manchen Privatschulen ein Besuch bereits für 300 Euro monatlich möglich ist, kostet ein Schuljahr im weiterführenden Bereich der International School 19 000 Euro.

Auch unabhängig vom Brexit verzeichnen Schulen in privater Trägerschaft – ob nun deutsch oder international – einen Zuwachs. Über 46 900 Schüler besuchten nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Wiesbaden eine allgemeinbildende Schule in privater Trägerschaft. Im Vergleich zum Schuljahr 2016/17 entspricht das einem Zuwachs um 830 Kinder und Jugendliche oder 1,8 Prozent. Insgesamt besuchten im Herbst vergangenen Jahres Statistikern zufolge 7,5 Prozent aller hessischen Schüler allgemeinbildender Schulen eine Einrichtung in privater Trägerschaft. Vergleichsweise hoch seien dabei ihre Anteile in den Förderschulen und Gymnasien gewesen.

Kritik wegen dieser Entwicklung kommt von der Lehrergewerkschaft GEW. Sie fordert für Hessens Privatschulen eine gesetzliche Regelung zur Deckelung ihrer Gebühren. Gleichzeitig sollte auf diesem Weg die Befreiung dieser Kosten für Kinder aus bedürftigen Familien festgelegt werden.