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Finanzen Bürger können sich in einigen Fällen beschädigte Banknoten erstatten lassen / Summe liegt jährlich bei 40 Millionen Euro

Puzzeln mit zerstörten Geldscheinen

Archivartikel

Mainz.Mit einer Pinzette rückt Frank Herzog einen verklebten Klumpen vermoderter Geldscheine unter ein Mikroskop. Kleine Wurzeln ranken sich darum. Lange lagen die Scheine in einem Blumentopf auf einem Balkon, irgendwo in Deutschland, wurden vergessen. Wasser und Witterung haben ihnen zugesetzt, nun hat sie der Besitzer wiedergefunden, an das Nationale Analysezentrum der Bundesbank in Mainz geschickt und möchte sie gerne ersetzt bekommen. Dort checken Experten wie Herzog, ob ein Anspruch darauf besteht.

In dem Zentrum unweit der Mainzer Fußball-Arena sitzt unter anderem die Fachstelle der Bundesbank für beschädigtes Geld. Hier kommt alles Mögliche an, seien es Geldreste, die nach einem Todesfall von den Erben in einem Keller oder auf einem Dachboden gefunden wurden, oder welche, die aus einer Hausmüll-Verbrennungsanlage gefischt wurden. Mal kommt bei Haus- oder Autobränden in Mitleidenschaft gezogenes Geld herein, mal kaum noch erkennbare Scheine aus gesprengten Geldautomaten. Die Palette der Fälle sei riesig, sagt Herzog. „Und es steckt immer eine Geschichte dahinter.“ Einen Ersatz für beschädigte Euro- oder auch alte D-Mark-Banknoten oder Teile davon leistet die Bundesbank, wenn mehr als die Hälfte des Scheines noch vorliegt oder nachgewiesen werden kann, dass die fehlenden Teile vernichtet wurden.

Mehr als die Hälfte muss übrig sein

Die Arbeit von Herzog und seinen Kollegen wird häufig zu einem komplizierten Puzzlespiel, Schnipsel werden in Kleinstarbeit zusammengesetzt. Grundsätzlich gebe es drei Arten von Schäden, erklärt Herzog. Feuer, Feuchtigkeit und mechanische Schäden, zum Beispiel durch Schredder oder Tiere.

Anträge auf eine Erstattung von beschädigtem Geld gibt es viele. Pro Jahr gehen der Bundesbank zufolge rund 30 000 in Mainz ein, sie kommen per Post von Privatpersonen oder Unternehmen oder wurden in Bundesbank-Filialen abgegeben. Die Erstattungssumme liegt pro Jahr im Größenrahmen von rund 40 Millionen Euro, wie Michael Erbert sagt. Er ist Leiter der Gruppe Beschädigtes Bargeld. Dass beschädigtes Geld ersetzt wird, sei wichtig für das Vertrauen der Bürger in die Währung, sagt Erbert. Und es sei unverzichtbar für einen „sauberen Zahlungsverkehr“, dass beschädigte Banknoten aus dem Verkehr gezogen und vernichtet würden.

Bei den Anträgen müssen auch geldwäscherechtliche Belange geprüft werden, so dass bei Verdacht auf eine Straftat gegebenenfalls die Polizei eingeschaltet wird. Aufmerksam werde man, wenn der Einsender einen offensichtlich falschen Grund für den Schaden angebe. So sehe Schwarzschimmel etwa auf den ersten Blick aus wie ein Brandschaden. Experten sähen den Unterschied aber schnell. „Das macht neugierig.“

Keinen Ersatz gibt es normalerweise, wenn Geldscheine vorsätzlich beschädigt wurden. So steht es in den Bestimmungen der Europäischen Zentralbank. „Das verstehen viele Menschen nicht“, sagt Erbert. Sie hätten mal mit einem Zauberer zu tun gehabt, der bei Vorführungen Scheine zerrissen und diese dann eingereicht habe. Das sei aber ein typischer Fall von Vorsatz, er habe natürlich nichts bekommen. lrs