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OB-Wahl Stuttgart Fünf Kandidaten im Fokus

Quintett macht das Rennen unter sich aus

Archivartikel

Stuttgart.Es ist ein Quintett, manchmal auch ein Sextett. Sie kennen sich mittlerweile, verbringen derzeit viele Abende miteinander, sind vielfach per Du. Sie wissen um die Argumentation, die Stärken und Schwächen der anderen. Und alle reden sie von Konzepten gegen fehlende Wohnungen und Kita-Plätze, von Verkehrsinfarkt, Parkräumen und ÖPNV-Ausbau, von Arbeitsplatzsicherung und Klimawandel, von Sicherheit und Maßnahmen gegen die Vermüllung des öffentlichen Raums, von einer zeitgemäßen Stadtverwaltung, der Zukunft von Oper und Kulturmeile.

Veronika Kienzle, 58, (Grüne), Frank Nopper, 59, (CDU), Martin Körner, 50 (SPD), Hannes Rockenbauch 40, (Linksbündnis SÖS) und Marian Schreier, 30, dessen SPD-Mitgliedschaft während des Wahlkampfes ruhen muss, sind die ,,Big Five“ im Stuttgarter Oberbürgermeister-Wahlkampf. Aber das Rennen ist offen, kaum ein Beobachter rechnet mit einer klaren Entscheidung beim ersten Wahlgang am 8. November.

Die Konterfeis der Fünf prangen samt denen ihrer Mitbewerber vom Neckarufer bis zu den Höhenlagen des Stadtkessels auf Tausenden Plakaten in der Landeshauptstadt – und es gibt Verwunderung über manchen Slogan. Kienzles Motto „Hier fürs Wir“ ist dabei inhaltlich mindestens so bedenklich wie „Ein Satz zu mir: Einsatz“, mit dem der unabhängige Kandidat Sebastian Reutter ins Rennen geht. Die „Big Five“ sind Konkurrenten, aber die Stimmung ist gut. Es ist ein sportlicher Wettkampf, Tiefschläge sind bislang ausgeblieben.

„Wir haben die aus unserer Sicht aussichtsreichsten Bewerber eingeladen“, sagt dazu der frühere SWR-Moderator Wieland Backes, prominenter Vorsitzender des Bürgervereins „Aufbruch Stuttgart“, der sich als Schrittmacher in Sachen Kultur- und Stadtentwicklung versteht und an diesem Montag am Stuttgarter Hospitalhof Gastgeber der ,,Aufbruch“-Kandidatenrunde war.

Veronika Kienzle, die im Staatsministerium hauptberuflich mit Fragen der Bürgerbeteiligung befasst ist, setzt neben der Frauenkarte klar auf grüne Themen, auf Klimaschutz, auf Stadtteilprojekte und Konsens. Mit als Erstes will sie sich um den Stadtwald kümmern.

Frank Nopper, amtierender Backnanger OB, gibt sich vor allem als erfahrener Rathauschef mit Herz für Wirtschaft und Auto – „eine autofreie Innenstadt ist der falsche Weg“. Dass Nopper sich nicht zur Milliardensanierung der Oper äußert, Stuttgart 21 weder als Fehler noch als Chance bezeichnen mag und stattdessen dafür wirbt, an Neubürger zur Stärkung der Stadtidentität Stuttgart-Fähnchen zu verteilen, sorgt im Publikum für Irritationen bis Heiterkeit. „Um das Image der Stadt zu verbessern und den öffentlichen Raum aufzuwerten, reicht es nicht, Fähnchen zu verteilen“, kontert Marian Schreier. Der 30-jährige Bürgermeister von Tengen wirbt mit dem Slogan „Der Junge kann das“ und setzt voll auf Internet-Wahlkampf. Er hat klare Pläne zur Stadtverwaltung und zum Wohnungsproblem.

Beim Publikum punkten kann neben Martin Körner, der im Wahlkampf voll auf Maßnahmen gegen Wohnungsnot setzt – „verdichten, aufstocken und zur Not auch auf der grünen Wiese bauen“ –, auch der linke Stadtrat und SÖS-Fraktionschef Hannes Rockenbauch. Er ist Architekt, Stadtplaner und seit Jahren als Stuttgart-21-Gegner profiliert. Schon 2011 trat er als OB-Kandidat an, seine damaligen 10 Prozent im ersten Wahlgang könnte er durchaus noch ausbauen. Viel Beifall bekommt er für seine Vision zur Innenstadtgestaltung.

Die anderen zehn der derzeit 16 Bewerber haben es schwer, jenseits von Terminen auf Wochenmärkten oder Info-Ständen in der Breite durchzudringen. Dazu gehören der Wirtschaftsförderer Sebastian Reutter, Einzelbewerber Marco Völker oder auch Michael Ballweg, als Kopf von Querdenken 711 und Anti-Corona-Demo-Organisator wohl der bekannteste Kandidat. 

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