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Verkehr Zwischen Zukunftsmusik und konkreter Umsetzung: Verschiedenen Projekte sollen die Straßen entlasten

Radwege oder Flugtaxi: Hessen sucht Lösungen aus dem Stau

Archivartikel

Frankfurt.Autonom fahrende Busse und Flugtaxis – im Verkehrssektor gibt es reichlich Ideen, um die aktuellen Probleme zu lösen. Angesichts chronisch verstopfter Straßen und hoher Schadstoffwerte in den Städten handelt es sich nicht nur um Zukunftsmusik aus der Ferne. Auch in Hessen laufen gerade in den Ballungsgebieten interessante Projekte und stehen zukunftsweisende Entscheidungen an. Nachfolgend eine Vorschau für das neue Jahr.

Ausgangslage

Die größten Verkehrsprobleme gibt es in der am dichtesten besiedelten Region, dem Rhein-Main-Gebiet. Mitten darin kämpft Frankfurt mit einem Strom von bis zu 400 000 Pendlern täglich, die meisten davon sind mit dem Auto unterwegs. Zwar ist der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der Radwege in die Wege geleitet, doch reicht dies nach einem Urteil des hessischen Verwaltungsgerichtshofs nicht, um Dieselfahrverbote wegen zu viel Stickstoffdioxid in der Luft abzuwehren.

Auf die offenen Fragen muss die Mainmetropole in diesem Jahr eine Antwort finden. Mit Limburg und Offenbach warten zudem zwei weitere Kommunen auf einen Termin beim VGH, auch sie wurden von der Deutschen Umwelthilfe verklagt.

Elektrotretroller

Zu den groß als Lösung angepriesenen und breit diskutierten Alternativen gehören die E-Scooter. Fünf Verleih-Unternehmen sollen es bald in Frankfurt sein, auch in Wiesbaden sind die Tretroller mit Batterieantrieb unterwegs. Zunächst haben die kleinen Flitzer jedoch weniger mit ihrer angeblichen Klimafreundlichkeit Aufsehen erregt. Vor allem gab es im vergangenen Jahr Ärger über rücksichtslose Fahrer und gedankenlos abgestellte Roller. Die Unternehmen gelobten Besserung. Tatsächlich ging die Zahl der Beschwerden nach Auskunft des Frankfurter Verkehrsdezernats zuletzt zurück.

Seilbahn

Ob es sich demnächst bequem per Seilbahn über den alltäglichen Stau in Frankfurt hinweg schweben lässt - das steht derzeit noch in den Sternen. Eine Machbarkeitsstudie läuft, Ergebnisse werden nach Auskunft des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) im neuen Jahr erwartet.

Das Thema hatte 2019 große Aufmerksamkeit erregt, mehrere Bürgermeister und Landräte hatten sich mit Vorschlägen hervorgetan. Untersucht wird nun erst einmal eine Strecke über den Feldberg. Für realistisch halten Experten zudem eine Route vom Stadion am Main entlang nach Offenbach.

Omnibus

Er ist nicht so hipp, doch keine Verkehrswende ohne ihn: den guten alten Bus. Im neuen Jahr werden mehr Busse mit elektrischem Antrieb unterwegs sein, unter anderem die Landeshauptstadt Wiesbaden hat hier große Pläne. Und auch andere potenziell zukunftsweisende Projekte gibt es in Hessen: Im Landkreis Offenbach können Busse per App bestellt werden.

Man sei mit den bisherigen Ergebnissen der „Hopper“ genannten Fahrzeuge so zufrieden, dass das Angebot auf weitere Gemeinden ausgeweitet werde, erklärt die Kreisverkehrsgesellschaft. Und auch autonom, also ohne Fahrer, sind erste Kleinbusse unterwegs, am Frankfurter Mainufer als Testobjekt für Jedermann. In Wiesbaden soll ab Februar ein autonomer Shuttlebus auf dem HSK-Klinikgelände fahren.

Flugtaxi

Da der Boden als Verkehrsebene vor allem in Innenstädten überlastet ist, gibt es noch eine weitere Idee, die Luft für den Nahverkehr zu erobern: Flugtaxis. Der Flughafenbetreiber Fraport prüft seit Anfang 2019 gemeinsam mit der Daimler-Beteiligung Volocopter, ob und wie drohnenähnliche, elektrisch betriebene Flugobjekte für den Passagiertransport in die Frankfurter Innenstadt in den Betrieb integriert werden könnten. Wann das Angebot an den Start gehen kann, ist angesichts zahlreicher offener Fragen aber noch unklar. Zunächst sollen Frachtdrohnen getestet werden.

Bauprojekte

Wenn es über der Erde nicht voran geht, muss man Tunnel graben. Ob dies in großem Rahmen unter Frankfurt geschieht, soll die Machbarkeitsstudie zu einem Fernbahntunnel zeigen, die in diesem Jahr erarbeitet werden soll. Ergebnisse werden für Anfang 2021 erwartet.

Bei anderen Bauprojekten steht die Umsetzung bevor, wie etwa dem Umbau der B-Ebene am Frankfurter Hauptbahnhof. Erste Vorbereitungen gibt es für den Bau der Nordmainischen S-Bahn von Hanau nach Frankfurt. Auf der gleichen Route soll auch bald ein Radschnellweg verlaufen, hier liegt die Machbarkeitsstudie vor und will der Regionalverband Rhein-Main die Umsetzung vorantreiben; auch andere Strecken werden untersucht, auch rund um Kassel.