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„Ratlos und verärgert“

Archivartikel

Gerhard Weber ist geschäftsführender Leiter der Mannheimer Gymnasien

Herr Weber, was sagen die Mannheimer Schulen zu den Überlegungen, die Abitur-Aufgaben künftig per verschlüsseltem USB-Stick zu übermitteln?

Gerhard Weber: Was alle Schulen sagen, weiß ich noch nicht. In zwei Wochen haben wir eine Sitzung, da besprechen wir uns erst. Ich habe mich mit einer Kollegin unterhalten – und die ist wie ich ratlos, überrascht und verärgert.

Was kritisieren Sie an der Idee?

Weber: Zunächst, dass wir erst kürzlich informiert wurden. Außerdem gibt es große Fehlerquellen. Erstens: Wir sollen die Sticks am Tag des Abiturs entschlüsseln. Um 6 Uhr soll der Code ankommen. Am Amtscomputer sollen die USB-Sticks dann decodiert werden. Was, wenn der Computer nicht funktioniert? Zweitens: Wir sollen die Klausuren am Tag der Prüfung ausdrucken. Die Gymnasien haben einen, höchstens zwei Drucker in ihrem Bestand. Wenn dieser ausfällt, können die Schulen nicht drucken.

Glauben Sie trotzdem, dass das machbar ist?

Weber: Wir tun unser Bestes, die Vorgaben möglichst professionell umzusetzen. Das bedeutet für uns aber einen Mordsstress und extrem viel Zusatzarbeit. Wir müssen sehr, sehr früh in die Schule kommen und dann sofort ans Werk gehen. Das ist dann für uns eine hoch nervöse Zeit. Wir machen’s halt. (Bild: Moll-Gymnasium)

Gerhard Weber beantwortete die Fragen von Joana Rettig telefonisch. Das Interview wurde ihm zur Autorisierung vorgelegt.