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Hessen 15,6 Millionen Gäste 2018 gekommen / Wirtschaftsminister Al-Wazir möchte ländlichen Raum erreichbarer machen

Rekordzahlen im Tourismus

Wiesbaden.Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir räumt ein: Wenn man an beliebte Urlaubsziele in Deutschland denkt, kommt man erst einmal eher auf Mecklenburg-Vorpommern mit den Ostseestränden und auf die Bundeshauptstadt Berlin. In Wirklichkeit aber liege Hessen mit 34,7 Millionen Übernachtungen allein im vergangenen Jahr klar vor diesen beiden Bundesländern, fügt der Grünen-Politiker stolz hinzu. Nach seinen Angaben ist diese Zahl 2018 um 1,9 Prozent gewachsen. Bei der Ankunft von Gästen gab es sogar ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 15,6 Millionen. „Der Tourismus in Hessen bleibt auf Wachstumskurs“, folgert Al-Wazir. Und er sei auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Rund 230 000 Stellen hingen landesweit direkt oder indirekt vom Tourismus ab.

Zu verdanken hat Hessen den in den letzten Jahren stetigen Zuwachs vor allem den Touristen aus China. Die Zahl der Gäste aus dem Reich der Mitte hat sich seit 2012 mehr als verdoppelt. 2018 entfielen bereits 590 562 Übernachtungen in Hessen auf die Chinesen, die sich damit gleichauf mit den Niederlanden bei einem Anteil von je 7,3 Prozent auf Platz zwei der ausländischen Gäste im Land vorarbeiteten. Platz eins der internationalen Übernachtungen allerdings nehmen noch immer unangefochten die USA mit einem Anteil von 11,3 Prozent ein.

Digitalisierung in der Branche

„Deutschland ist das Lieblingsreiseziel chinesischer Touristen in Europa, und viele von ihnen reisen über den Frankfurter Flughafen“, sagt der Minister. Und selbst wenn nicht alle auch in Frankfurt oder Hessen übernachten, kommt es der Region doch zugute, dass die Chinesen nicht nur an der Kultur interessiert sind, sondern auch einkaufen wollen. Und das tun sie auch häufig in Frankfurt und Umgebung. Um das Interesse weiter zu fördern und auch auf ganz Hessen zu erweitern, gibt es auf der Webseite von „Daodego“ bereits seit 2014 eine Internetseite in chinesischer Sprache, auf der zum Beispiel auch die Grube Messel, die Märchen der Brüder Grimm, das Mathematikum in Gießen oder das Kloster Lorsch vorgestellt werden. Wohl nicht nur wegen der Chinesen sind es aber ansonsten schon die Großstädte Frankfurt und Wiesbaden, die besonders von dem Boom bei Gästezahlen und Übernachtungen profitieren. Auch die rege Nachfrage nach Städtereisen, vor allem aber das wachsende Tagungs- und Kongressgeschäft kommt ihnen zugute.

Nicht zufällig hat sich Al-Wazir auch den Chef der Frankfurter Tourismus- und Congress GmbH, Thomas Feda, und den Wiesbadener Wirtschaftsdezernenten Oliver Franz gestern zur Präsentation der neuen Zahlen an die Seite geholt. Mit beiden Städten zusammen tritt das Land Hessen auch bei der Internationalen Tourismus Börse in Berlin auf, die am 6. März beginnt. Feda kann mit der vor wenigen Monaten eröffneten neuen Frankfurter Altstadt einen Höhepunkt vorweisen, der dazu beigetragen hat, dass die Stadt ein Allzeithoch bei den Übernachtungen verzeichnet. Die unmittelbar bevorstehende große Tizian-Ausstellung im Städel und die Schau „Making van Gogh“ im Oktober schrauben die Erwartungen auch für dieses Jahr hoch. Dass Frankfurter Gäste einen Tourismusbeitrag von zwei Euro pro Übernachtung berappen müssen, hat den Boom nicht gebremst. Einnahmen von rund fünf Millionen Euro erwartet die Stadt laut Feda im Jahr, die zweckgebunden wieder in Investitionen oder auch Marketing für den Tourismus fließen. Wiesbaden wiederum profitiert Franz zufolge stark vom neugebauten Rhein-Main Congress Center, das 2019 erstmals ganzjährig zur Verfügung steht.

In den Heilbädern und Kurorten sieht es jedoch nicht so rosig aus. Al-Wazir hat deshalb eine Potenzialanalyse „Touristische Erreichbarkeit im ländlichen Raum“ in Auftrag gegeben, bei der es nicht nur um die Verkehrsanbindung geht. Die Digitalisierung in der Tourismusbranche nennt er als ganz wichtiges Thema.