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Bildung Kultusministerin verweist auf Koalitionsvertrag / Kritik an SPD-Parteitagsbeschluss für Wahlfreiheit

Rückkehr zu G9 unwahrscheinlich

Stuttgart.Die baden-württembergische SPD will mit dem Versprechen, Wahlfreiheit zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium (G8/G9) zu lassen, 2021 in den Landtagswahlkampf ziehen. Ein entsprechender Antrag wurde am Wochenende auf dem kleinen Parteitag in Pforzheim beschlossen. Die Online-Petition „G9 jetzt! – Baden-Württemberg“ hat in Baden-Württemberg bereits 35 702 Unterstützter. Doch wie hoch ist der Handlungsdruck tatsächlich? Fragen und Antworten:

Wie ist der Stand zu G8 und G9 im Land?

Im Schuljahr 2004/05 wurde landesweit G8 eingeführt und damit das Gymnasium von der damaligen schwarz-gelben Landesregierung von neun auf acht Schuljahre verkürzt. Die ab 2011 regierende grün-rote Koalition gestattete ab 2012 im Rahmen eines Modellversuchs jeweils einem Gymnasium in den 44 Stadt- und Landkreisen die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium, der Versuch wurde an 43 dieser Schulen verlängert. Eine Schule – und zwar das Karl-Friedrich-Gymnasium in Mannheim – verzichtete darauf.

Wie wird das G9 aktuell nachgefragt?

An den 44 Gymnasien, die sowohl G8 als auch G9 anbieten, gibt es nach Mitteilung des Kultusministeriums für das Schuljahr 2019/20 insgesamt 5597 Anmeldungen, davon 5258 Schüler für G9 und 339 für G8. Die Zahlen für die G9-Modellschulen zeigen aus Sicht des Kultusministeriums, dass das Angebot des G9-Modells nach wie vor sehr gut angenommen werde. An einigen Standorten wurde aufgrund der Anmeldezahlen inzwischen komplett auf G9 umgestellt. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht aber momentan keinen Ansatz für eine Änderung am achtjährigen Gymnasium. „Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, die G9-Modellstandorte fortzuführen“, so Eisenmann.

Was sagen die Parteien im Landtag?

Grüne, CDU und FDP sind gegen eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. Die AfD zeigt sich grundsätzlich offen für eine Rückkehr oder zumindest für Wahlfreiheit. Die SPD hatte noch im Landtagswahlprogramm von 2016 eine pauschale Rückkehr zum G9 als nicht notwendig und nicht sinnvoll abgelehnt. Der Beschluss vom vergangenen Wochenende mit Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 stellt einen klaren Kurswechsel dar.

Wie groß ist der Veränderungsdruck im Land?

Nachdem Bayern das neunjährige Gymnasium zum zu Ende gehenden Schuljahr 2018/19 wieder eingeführt hatte, wurden diese Forderungen vereinzelt auch wieder in Baden-Württemberg laut – wie die eingangs erwähnte Petition zeigt. Der Landeselternbeirat dagegen fordert statt einer Verengung der Diskussion auf G8 oder G9 die die Einführung des Systems „Abitur im eigenen Takt“, das in einem Kurssystem in acht oder neun Jahren zum Abitur führt.