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Cannstatter Wasen Vor 200 Jahren veranstalteten König Wilhelm I. und seine Frau Katharina erstmals das Volksfest

Rummel für die Untertanen

Archivartikel

Stuttgart.Schon zwei Tage bevor Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) auf dem Wasen das Cannstatter Volksfest eröffnet, gibt es auf dem Schlossplatz eine Premiere: Das historische Volksfest mit Traditionstitel, Jubiläumsfeier und historischen Fahrgeschäften lädt ein zu einem Streifzug durch die Geschichte des größten Festes des Landes, das der württembergische König Wilhelm I. und seine Frau Katharina erstmals 1818 – also vor 200 Jahren – veranstalteten. Neben diesem Jubiläum wird zudem auch das Landwirtschaftliche Hauptfest zum 100. Mal eröffnet.

Ein Doppeljubiläum, dessen Zeitgleichheit eher dem Zufall als der Planung zu verdanken ist. Für die Veranstalter ist dies jedenfalls Grund genug, an die Entstehung und die Anfänge mit einem großen historischen Volksfest zu erinnern. Der Beginn des Volksfestes vor 200 Jahren war eine Reaktion von König Wilhelm I. und dessen Frau auf die damals herrschende Hungersnot in Württemberg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es im Südwesten eine Dürreperiode, unter der die Menschen sehr litten. Sie fürchteten sogar um ihre Existenz. Zudem brach im ferneren Indonesien 1815 der Vulkan Tambora aus, dessen Asche auch den Himmel in Europa verdunkelte.

Mitten in dieser Krise und düsteren Zeit übernahm Wilhelm I. die Regentschaft von Württemberg. Er schenkte seinem Volk damals nicht nur ein Hospital, eine landwirtschaftliche Akademie und eine Sparkasse, sondern am 28. September 1818, einen Tag nach seinem 36. Geburtstag, das „Landwirtschaftliche Fest zu Kannstadt“, das erste Cannstatter Volksfest. Mehr als 30 000 Besucher sollen laut der Überlieferungen an der Veranstaltung teilgenommen haben. Es wurde über Neuheiten in der Landwirtschaft diskutiert und ein Pferderennen durchgeführt. Damit ermöglichte der König den leidgeprüften Bauern, für kurze Zeit ihren tristen Alltag zu verlassen.

Auf dem Schlossplatz soll die Geschichte des Wasens in diesen Tagen nun erlebbar gemacht werden. Das Traditionszelt befindet sich in bester Lage auf dem Ehrenhof des Neuen Schlosses. Zwischen dem Schloss und dem Königsbau stellen Laienschauspieler historische Figuren dar, Trachtengruppen treten auf, und es sind jede Menge historische Volksweisen zu hören. Das historische Volksfest, bei dem auch zahlreiche Schausteller an das festliche Treiben der Anfänge erinnern, kann bis zum 3. Oktober besucht werden.

Zu essen gibt es keine Currywurst mit Pommes, sondern Ochsenmaulsalat, ein geschäumtes Sauerampfersüpple und das schwäbische Traditionsgericht Gaisburger Marsch. Natürlich wird auch das Göckele angeboten, das wohl bis heute wie kein anderes Essen das Volksfest auf dem Wasen kulinarisch prägt. Bei der Jubiläumsfeier kommt es auch zu einer Besonderheit: Die beiden Stuttgarter Brauereien Dinkelacker und Hofbräu bieten ein gemeinsam hergestelltes Bier an. Auch dieses soll nach dem Gerstensaft schmecken, den schon König Wilhelm I. an seine Untertanen ausgeschenkt hatte, heißt es in der Überlieferung.

Wer gerne die Geschichte die Entstehung des Festes auf der Leinwand anschauen möchte, kann im nahegelegenen Kino Metropol während des historischen Volksfestes eine Vorstellung besuchen. Der Eintritt zu dem vom SWR produzierten Film kostet fünf Euro.

Eine Kurzversion des Werkes wird auch auf dem historischen Volksfest ausgestrahlt. Rathauschef Kuhn freut sich jedenfalls schon auf das traditionsreiche Fest: „Das historische Volksfest ist etwas Einzigartiges. Die Besucher können mitten im Herzen der Stadt in die Geschichte des Cannstatter Volksfestes und des Landwirtschaftlichen Hauptfestes eintauchen.“