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Verkehr Vier Jahre mussten Pendler in Frankfurt mit mehrfachen Sperrungen leben / 160 Kilometer Kabel unter der Erde verlegt

S-Bahn-Tunnel bald fertig

Archivartikel

Frankfurt.Nach fast vier Jahren Bauzeit hat der S-Bahn-Tunnel in Frankfurt ein brandneues elektronisches Stellwerk bekommen. Die letzte von mehreren Tunnelsperrungen endet nach sechs Wochen voraussichtlich am kommenden Montag (6. August). Für Fahrgäste war dies wenig erfreulich. Die Bahn verspricht sich aber viel vom Projekt.

Warum war der S-Bahn-Tunnel so lange gesperrt?

Seit fast vier Jahren arbeitet die Deutsche Bahn daran, den Frankfurter S-Bahn-Tunnel mit einem neuen elektronischen Stellwerk (ESTW) auszustatten. Es ersetzt ein 40 Jahre altes Relais-Stellwerk aus der Zeit, als es noch keine Computer und kein Internet gab. Um das neue ESTW zu installieren, wurden im Tunnel 160 Kilometer Kabel verlegt und mehr als 150 Signale erneuert. Im letzten Schritt mussten noch 620 Tonnen altes Material wie Kabel, Signale und Metallstangen aus dem sechs Kilometer langen Tunnel herausbefördert werden. Zum Vergleich: Ein ICE-Zug mit zwölf Wagen wiegt 800 Tonnen.

Welche Arbeiten stehen noch aus?

Noch vier Tage hat die Bahn Zeit, um die letzten Handgriffe am S-Bahn-Tunnel zu tätigen. Nach eigenen Angaben liegen die Bauarbeiten im Zeitplan. Um das neue Stellwerk mit anderen Stellwerken um den Bahnhof abzustimmen, wird nun noch neue Software aufgespielt, sagt Bahnsprecher Thomas Bischoff. Jetzt muss getestet werden, ob alle Signale funktionieren und alle Sicherungseinrichtungen an ihren Positionen sind. Ab Montag soll dann alles funktionieren. „Jede Technik hat aber Kinderkrankheiten“, meint Bischoff. Alle denkbaren Probleme seien aber beherrschbar.

Wie lief die Tunnel-Sperrung aus Sicht der Fahrgäste?

In den vergangenen sechs Wochen liefen die Telefone beim Fahrgastverband ProBahn heiß. Die Beschwerden erreichten eine dreistellige Zahl, wie Pressesprecher Thomas Kraft sagt. „So heftig wie in diesem Jahr war es noch nicht.“ Zur Tunnelsperrung kamen weitere Baustellen wie der Ausbau der S6 zwischen Frankfurt und Friedberg und die entfallene U-Bahn-Haltestelle Dom/Römer dazu. Verspätete und ausgefallene Züge seien keine Seltenheit gewesen. Hinzu kamen Probleme mit nicht funktionierenden Fahrkartenautomaten, sagt Kraft.

Vor allem Gelegenheitsfahrer beschwerten sich beim Fahrgastverband über fehlende visuelle Informationen am Hauptbahnhof. Zwar hätten Service-Mitarbeiter freundlich Auskunft gegeben, trotzdem vermissten viele Bahnreisende Wegweiser zur richtigen U-Bahn-Station. „Das ist in vergangenen Jahren schon besser gewesen“, sagte Kraft.

Haben Bahn-Pendler ab Montag wieder völlig freie Fahrt?

Nach der Tunnelsperrung nehmen acht S-Bahnlinien am Hauptbahnhof wieder den Regelbetrieb auf. Durch das neue Stellwerk sollen Züge an einigen Abschnitten mit bis zu 80 statt 60 Stundenkilometer durch den Tunnel fahren können. 170 sogenannte Geschwindigkeitsprüfeinrichtungen wurden dafür an die neuen Brems- und Beschleunigungswege angepasst. Dadurch erarbeiten sich die Linien pro Tunneldurchfahrt eine Zeitersparnis von 15 bis 30 Sekunden. Dieser Puffer ist nach Angaben der Bahn mit Blick auf das unterschiedliche Fahrgastaufkommen an den Stationen Gold wert.

Eine Woche früher als ursprünglich geplant fahren die U4 und U5 schon seit gestern wieder die Station Dom/Römer an. Diese war wegen umfangreicher Brandschutzarbeiten seit Mitte Februar gesperrt.