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Abschied Letzter Auftritt von SPD-Fraktionschef vor dem hessischen Parlament / Auch CDU-Politiker finden lobenden Worte

Schäfer-Gümbel verabschiedet sich „im Reinen“

Wiesbaden.Zum Abschied gibt es lobende Worte von seinem langjährigen Gegenspieler Volker Bouffier – und einen Hessen-Löwen aus Höchster Porzellan von Landtagspräsident Boris Rhein (beide CDU): Versöhnlich geht am Dienstag die Ära des langjährigen SPD-Fraktionschefs Thorsten Schäfer-Gümbel im Landesparlament zu Ende.

Mit Ablauf des Tages legte der Oppositionsführer nach 16 Jahren im Landtag sein Mandat nieder. Er gehe zwar mit einer ordentlichen Portion Wehmut, aber ohne Bitterkeit, sagt der 49-Jährige auf seiner letzten Pressekonferenz in Wiesbaden und fügt hinzu: „Ich bin mit mir im Reinen.“

Am Mittwoch soll die SPD-Generalsekretärin Nancy Faeser zur neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt werden. Auf einem Parteitag am 2. November will sie auch Schäfer-Gümbels Nachfolge als Landesvorsitzende der Sozialdemokraten antreten. Das Amt als kommissarischer Bundesvorsitzender der Partei legt er am 30. September nieder. Einen Tag später zieht sich der Vollblutpolitiker ganz aus der Politik zurück und wechselt als Personalchef zu der in der Entwicklungshilfe tätigen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Eschborn.

Dass er irgendwann einmal in die Politik zurückkehrt, schließt Schäfer-Gümbel nicht völlig aus. „Man soll niemals nie sagen“, antwortet er auf entsprechende Fragen, versichert aber glaubwürdig, er habe keinerlei Pläne dafür und wolle sich mit voller Kraft seiner neuen Aufgabe widmen. Er betont, keinerlei politische Ratschläge mehr zu erteilen, jedenfalls nicht öffentlich und auch intern nur, wenn er darum gebeten werde. Seine Homepage und den Facebook-Account werde er schließen, Twitter und Instagram nur noch privat nutzen.

Unerfüllter Traum

Mit dem Ausstieg aus der Politik zieht Schäfer-Gümbel die Konsequenz aus der Tatsache, dass es ihm auch im dritten Anlauf nicht gelungen war, seinen „großen Traum“ zu verwirklichen, hessischer Ministerpräsident zu werden, wie er es am Dienstag ausdrückte. Dieses Amt verteidigte bekanntlich auch bei der letzten Landtagswahl der CDU-Politiker Bouffier. Der bescheinigte dem SPD-Mann gestern, er habe „für sein Land viel geleistet“. Schäfer-Gümbel habe er trotz unterschiedlicher politischer Auffassungen als einen an der Sache orientierten Politiker kennengelernt, der stets ein offenes Ohr hatte. „Thorsten Schäfer-Gümbel hat seine Haltung immer authentisch vertreten und war ein leidenschaftlicher Volksvertreter“, schrieb Bouffier.

Der so Geehrte hält seine Abschiedsrede im Landtag zum Thema Schulpolitik. Dabei spart er, wie einem Oppositionsführer zusteht, zwar nicht mit Kritik an der schwarz-grünen Landesregierung. Doch er bleibt betont sachlich und zeigt sich im Schlussteil seiner Rede stolz, bei der Ankunft der vielen Flüchtlinge mit der Regierung zusammengearbeitet zu haben. Landtagspräsident Rhein geht großzügig mit der Überschreitung der Redezeit Schäfer-Gümbels um, und der bietet ironisch an: „Sie können es mir ja an künftigen Reden abziehen.“ kn