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Viehwirtschaft Bessere Förderung und attraktivere Bedingungen gefordert

Schäfer kämpfen um Existenz

Stuttgart.Schäfer sehen ihre Existenz bedroht, wenn ihre Betriebe nicht stärker gefördert werden. Von einer Prämie pro Weidetier – statt wie bislang pro beweideter Fläche –versprechen sie sich ein besseres Einkommen und attraktivere Bedingungen für den Nachwuchs. Gestern übergaben Vertreter des Bundesverbandes der Berufsschäfer vor dem Landtag in Stuttgart eine Petition mit 120 000 Unterschriften an Agrarstaatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU).

„Wir sind gekommen, um für die Schäfer in Deutschland um Hilfe zu bitten“, sagte Sven de Vries vom Verband. Er wurde von seinem Schaf Erika begleitet. Gurr-Hirsch versprach, die Forderung zu prüfen, meldete aber zugleich Bedenken an. Die Fehleranfälligkeit sei bei einer tierbezogenen Prämie sehr groß, ebenso wie der Dokumentationsaufwand für Schäfer und Behörden. Auf Zustimmung stoßen die Schäfer bei der Grünen-Fraktion. Deren Agrarexpertin Martina Braun erinnerte daran, dass es für Kühe bereits eine Prämie gebe, wie sie nun die Schäfer verlangten.

Den Schäfern schwebt eine Prämie von 38 Euro pro Tier und Jahr vor. Bislang erhalten sie 300 Euro pro Hektar beweideter Fläche im Jahr. Nach Worten von Gurr-Hirsch müssten Lamm-Fleisch und Wolle besser vermarktet werden. Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) verwies auf finanzielle Entschädigung für gesellschaftliche Leistungen wie die Pflege und den Erhalt von Naturschutzflächen oder Beratungs- und Bildungsangebote. Er setze auf eine „Weiterentwicklung“ der flächengebundenen Weideprämie.

Der Nabu unterstützt das Anliegen des Verbandes nach auskömmlicher Finanzierung. Andernfalls habe das gravierende Folgen für das Landschaftsbild und den Artenreichtum.

Aktionen der Schäfer waren in bundesweit zwölf Städten geplant. Sie hoffen auf eine Entscheidung zu ihren Gunsten bei der Agrarministerkonferenz Ende April in Münster. In Baden-Württemberg arbeiten laut Angaben des Landesschafzuchtverbands 140 hauptamtliche Schäfer. Nach Angaben von Gurr-Hirsch halten insgesamt 2500 Menschen im Land, davon die meisten im Nebenerwerb, 239 000 Schafe.

De Vries, der selbst 550 Schafe hat, sprach von Nachwuchssorgen. Bei bundesweit rund 1000 Betrieben gebe es derzeit nur 20 Auszubildende. Das sei umso problematischer, weil der durchschnittliche Schäfer 55 Jahre alt sei.