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Analyse SPD-Kandidat Schäfer-Gümbel setzt für sein Schattenkabinett auf eine Mischung auswärtiger und interner Bewerber

Scheibchenweise in die Nachrichten

Archivartikel

Wiesbaden.Das Schattenkabinett der SPD nimmt Formen an. Gestern stellte Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel den Wiesbadener Schulleiter Thomas Schwarze als zehntes Mitglied seines „Regierungsteams“ vor. Auch wenn die Umfragen den hessischen Sozialdemokraten wenig Chancen verheißen – Schäfer-Gümbel gibt sich nicht geschlagen. Und stellt weiter scheibchenweise seine gewünschten Minister vor – damit will er doch noch die Wende erreichen. An Kandidaten mangelt es dem Politiker nicht. Und die fast tägliche Benennung der Schattenkabinettsmitglieder hat einen besonderen Vorteil: Immer wieder kommt die SPD damit in die Zeitung oder die Nachrichten.

Doch selbst wenn Schäfer-Gümbel die Wahl gewinnen sollte, dürften die wenigsten Mitglieder seines Regierungsteams Chancen haben, tatsächlich ins Wiesbadener Kabinett einzuziehen. Die realistischste Chance, doch noch Ministerpräsident zu werden, hätte Schäfer-Gümbel im Fall des Zustandekommens einer Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Doch erstens müsste gerade die in Hessen vom Bundestrend gebeutelte SPD selbst noch zulegen, damit es überhaupt eine entsprechende Mehrheit gibt. Und zweitens würden Grüne und FDP natürlich in einer Ampel auch eine Reihe von Ministerien beanspruchen, so dass sich die Zahl der von der SPD zu besetzenden Kabinettsposten entsprechend verringern würde.

Für vier Ministerien hat Schäfer-Gümbel Landtagsabgeordnete benannt: die stellvertretende Fraktionschefin und Generalsekretärin Nancy Faeser für Inneres, Gerhard Merz für Soziales, Heike Hofmann für Justiz und Günter Rudolph für Verkehr und ländlichen Raum.

Noch immer unvollständig

Von außen kommen die Kandidaten für Wohnungsbau mit dem Landesvorsitzenden der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Hans-Joachim Rosenbaum, die Vizepräsidentin der Uni Frankfurt Tanja Brühl für Wissenschaft und Kunst – und nun der Leiter der Wiesbadener Wilhelm-Hinrich-von-Riehl-Gesamtschule Schwarze für das Kultusministerium. Nächste Woche will Schäfer-Gümbel die Kandidaten für Wirtschaft und Energie, Finanzen sowie Umwelt und Zukunft vorstellen.

Aber auch damit ist das „Regierungsteam“ nicht vollständig. Als Beauftragte hat der hessische SPD-Chef noch benannt: den ehemaligen Basketballer Henning Harnisch für Sport und Teilhabe, den Chef der Frankfurter Sparkasse Robert Restani für den Finanzplatz in Hessens größter Stadt und die Büroleiterin im Europaparlament Marlies von der Malsburg für Europa. Beauftragte für Digitalisierung, Kultur und ländlichen Raum sollen noch folgen.

Der gestern benannte Schulleiter Schwarze scheint als Mann der Praxis einer der stärkeren Kandidaten zu sein. Er kennt und schätzt nach eigenen Angaben Kultusminister Alexander Lorz (CDU), den er ablösen, aber nicht attackieren will. Im Wahlkampf werde er auch „keine 5000 neuen Lehrer in den nächsten fünf Jahren ankündigen“, sondern auf weniger Kontrolle, Bürokratie und Dokumentationspflichten setzen.

In seiner Analyse verbindet Hessen-Korrespondent Gerhard Kneier Fakten mit seiner persönlichen Meinung zum Thema.