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Villa Grunewald "King of Rock'n Roll" logierte Ende der 50er Jahre in der Pension in Bad Nauheim / Spuren der Zeit dort noch sichtbar

Schlafen wie Elvis Presley

Bad Nauheim.Wer dem "King" ganz nah sein will, kann mitten in Hessen auf einem schwarzen Klodeckel Platz nehmen. Elvis Presley hat ihn der Überlieferung nach eigens aus den USA einfliegen lassen, weil ihm das vorhandene Exemplar in seinem Domizil in Bad Nauheim missfiel. Dort mietete sich der legendäre Sänger Ende der 1950er Jahre für einige Monate in der Pension "Villa Grunewald" ein. Seither ist das Zimmer mit der Nummer 10 und den noch erhaltenen Original-Möbeln eine Pilgerstätte für Fans. Nun kann man es für Übernachtungen buchen - inklusive Schlafen in dem Bett, in dem einst der "King of Rock'n'Roll" lag.

Weltweit sei das wohl die einzige Möglichkeit, wo man im selben Bett wie solch eine Berühmtheit nächtigen könne, sagt Thomas Dröscher. Der 50-Jährige ist der Pächter der Ende des 19. Jahrhunderts erbauten "Villa Grunewald", die nach jahrelangem Leerstand und Sanierung nun als Hotel wiedereröffnet wird. In 15 von insgesamt 16 Gästezimmern stehen geradlinige moderne Möbel neben opulenten Jugendstil-Stücken. Der neue Aufzug grenzt direkt an den stillgelegten und denkmalgeschützten alten Lift. "Wir sind kein Museum", betont Dröscher. Die Spuren der Zeit sollen allerdings sichtbar bleiben - gerade im berühmten Zimmer Nr. 10.

Das Zimmer Nummer 10

Wuchtige dunkle Möbel gibt es darin, üppige Teppiche, schwere Vorhänge, goldumrahmte Bilder, rosa bezogene Sessel, ein Bad mit Blumenfliesen und eben dem schwarzen Toilettensitz. Der letzte Schrei - für die 1950er Jahre. "Das muss man mögen", sagt Hotelier Dröscher angesichts der aus der Zeit gefallenen Einrichtung. Aber es ist eben ein echtes Stück Zeitgeschichte. Fotos belegen nach seinen Worten, dass ein Großteil der Möbel schon während Elvis' Aufenthalt hier stand.

US-Musiker Presley, der vor 40 Jahren starb, kam im Herbst 1958 als Soldat ins benachbarte Friedberg, lebte aber in Bad Nauheim. Von Oktober 1958 bis Anfang 1959 war er Gast in der "Villa Grunewald", danach zog er um in ein Haus in der Goethestraße. 1960 war sein Militärdienst beendet und er verabschiedete sich aus Deutschland.

Die Erinnerung an seine Zeit in Bad Nauheim hält die Kurstadt gerne hoch - Elvis ist für sie ein Tourismus- und Imagefaktor. So veranstaltet die Kommune einmal im Jahr das "European Elvis Festival" mit Besuchern aus aller Welt. Dieses Jahr wird es vom 18. bis 20. August gefeiert. Entsprechend froh ist man hier auch, dass nach dem Leerstand das "Hotel Villa Grunewald" mit dem Elvis-Zimmer eröffnet.

"Die Stadt hat sich schon lange gewünscht, dass das Haus zum Hotel wird und es die Öffentlichkeit nutzen kann", sagt Katja Heiderich, Geschäftsführerin der Bad Nauheimer Stadtmarketing und Tourismus-Gesellschaft. Fans könnten ihrem Idol darin noch einen Schritt näher kommen. Die Villa habe allerdings auch über Elvis hinaus eine Bedeutung für die Kurstadt.

"Ein Kulturdenkmal"

Eigentümer und Architekt Alfred Möller erklärt: "Das Gebäude ist ein Kulturdenkmal." Erbaut wurde die Villa demnach im Jahr 1888 im Gründerzeitstil. Sie wurde zudem mit besonderen Formen aus der Renaissance versehen.

Möller kaufte im Jahr 2015 zusammen mit seinem Sohn Christian die Villa. Beide Architekten, kümmerten sich Vater und Sohn auch um die 2016 begonnene Sanierung. "Als Architekten möchten wir historisch wertvolle Gebäude erhalten, bewahren und durch Restaurierung, Renovierung und Sanierung den heutigen Nutzungsanforderungen behutsam anpassen", erklärt Christian Möller. Unter anderem ging es bei den Arbeiten darum, Stuckverzierungen, Deckengemälde oder eben das Elvis-Zimmer vor dem Zahn der Zeit zu retten.

Historische Gebäude mit besonderen Traditionen sind für die Branche attraktiv, sagt Sebastian Maier, Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Hessen. "Der Gast ist immer auf der Suche nach dem Besonderen."

Hotels mit einer speziellen Geschichte könnten diese als Alleinstellungsmerkmal und Marketinginstrument nutzen, um sich abzuheben und eine spezielle Zielgruppe anzusprechen.

Die ersten Buchungen von Zimmer Nr. 10 in der Villa gibt es bereits. Er freue sich auf die Gäste und Elvis-Fans, sagt Pächter Dröscher. Die erste Buchung habe über 20 Minuten gedauert. Die Reservierung sei nach zwei Minuten erledigt gewesen, erzählt der 50-Jährige. Ansonsten habe man über den "King" gesprochen.