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Lockerungen Am Montag Neustart mit Einschränkungen / Ende Juni fallen in Kitas und Grundschulen Abstandsregeln weg

Schule als rollierendes System

Archivartikel

Stuttgart.Nach den zweiwöchigen Pfingstferien soll es ab Montag in Baden-Württemberg wieder Präsenz-unterricht für alle Schüler geben. Im wochenweisen Wechsel kommen die Klassen wieder in die Schule. Für Ende Juni hat Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bereits die vollständige Öffnung von Kitas und Grundschulen angekündigt. Aber ein Normalbetrieb wie vor Ausbruch der Corona-Pandemie wird auch das nicht sein. Eltern müssen sich auf zeitliche Einschränkungen einstellen: „Ein Vollbetrieb kann nicht in jedem Fall garantiert werden.“

Was ist an den Grundschulen neu nach den Pfingstferien?

„Wir werden den Präsenzunterricht rollierend anbieten“, erläutert Eisenmann. Die Kinder sollen abwechselnd wieder in die Schulen: Eine Woche die Erst- und Drittklässler, die nächste die Zweit- und Viertklässler. Parallel bleibt in den Grundschulen die Notbetreuung für Kinder, deren Eltern in den systemrelevanten Berufen unabkömmlich sind. Die Schulen sieht die Ministerin gut auf die Herausforderung vorbereitet. Der Schwerpunkt beim Präsenzangebot soll auf Deutsch, Mathe und Sachunterricht liegen. Noten und Klassenarbeiten seien zweitrangig.

Was passiert an den weiterführenden Schulen?

Auch bei Gymnasien, Real- sowie Haupt- und Gemeinschaftsschulen kommt das rollierende System mit wöchentlichem Wechsel zwischen Heim- und Präsenzphasen. Es steht den Schulen aber auch frei, tageweise zu wechseln. Eine Ausnahme bilden die Klassenstufen, die in diesem oder im nächsten Jahr ihren Abschluss machen und schon seit Anfang Mai wieder in die Schule gehen. Eisenmann: „Sie bleiben dauerhaft in der Präsenz.“ Sie betont, dass ein regulärer Unterricht wie in den Vor-Corona-Zeiten nicht möglich ist. Es gehe jetzt „nicht darum, noch möglichst viele Klassenarbeiten zu schreiben“. In der Schule solle das im Fernunterricht Erlernte abgeglichen und Inhalte vertieft werden. Für die Schüler, die im Fernunterricht abgehängt waren, sind eigene Lerngruppen geplant.

Warum geht die Öffnung so langsam?

Weil in den Schulen weiter die Abstandsregeln gelten, müssen die Klassen in zwei oder sogar drei getrennte Gruppen aufgeteilt werden. Dadurch entsteht Raum- und Personalnot. Der Lehrermangel wird verschärft durch eine großzügige Freistellung von Kräften, die sich selbst oder deren Angehörige zu Risikogruppen zählen. Nach einer internen Umfrage des Ministeriums stehen deshalb nur 80 Prozent des Stammpersonals für Präsenzunterricht zur Verfügung. Eisenmann hat angekündigt, die Selbsteinstufung „in Kürze“ durch ein ärztliches Attest zu ersetzen. Aufsehen erregte Mitte der Woche die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Mainz, dass ein 62-jähriger Pädagoge nicht automatisch Anspruch auf Freistellung hat.

Welche Schritte sind bis zum Sommer noch geplant?

Mit Hochdruck arbeitet das Kultusministerium an den Regeln zur vollständigen Öffnung von Kitas und Grundschulen Ende Juni. Die notwendige Verordnung soll der Ministerrat nächste Woche auf den Weg bringen. Mit Verweis auf die Zwischenergebnisse einer Kinderstudie der Unikliniken fällt dann der Mindestabstand, die Klassen gehen wieder zusammen. „Weil Kinder bei der Verbreitung des Corona-Virus nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen, können wir dem Wunsch vieler Eltern nach Betreuung in Kitas und Schulen nun endlich gerecht werden“, betont Eisenmann.

Einschränkungen wird es weiter geben: Weil auch nach einer Verschärfung der Freistellungsregeln Lehrer fehlen werden, sollen „Personen mit pädagogischer Vorerfahrung“ die Lücken im Unterricht schließen. Gedacht ist an Fachlehrer aus musikalischen und technischen Fächern, an pädagogische Assistenten und Hausaufgabenbetreuer, die Schüler beim selbstständigen Lernen anleiten. Das Konzept haben Eisenmanns Leute vergangene Woche den Beteiligten vorgestellt. Dort wurden Städte und Gemeinden darauf hingewiesen, dass die Verlässlichkeit der Grundschulen von deren Betreuungsangeboten abhänge.

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