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Artenschutz Verband sieht die Weidewirtschaft in Gefahr und fordert eine leichtere Bejagung von Wölfen / Ausbleiben der Touristen befürchtet

Schwarzwaldverein warnt vor großen Tierverlusten

Archivartikel

Stuttgart.In ungewöhnlich deutlicher Form hat sich der Schwarzwaldverein für ein Zurückdrängen des Wolfes ausgesprochen. „Der Schwarzwald ist so dicht besiedelt, dass für den Wolf kein Platz ist“, sagte Vereinspräsident Georg Keller am Montag. „Die Gesellschaft ist aufgefordert, geeignete Lebensräume für Wölfe in Deutschland, gegebenenfalls auch in Verbindung mit den europäischen Nachbarländern zu finden“, heißt es in einem einstimmig vom Hauptvorstand verabschiedeten Positionspapier zum Umgang mit dem nach Baden-Württemberg zurückgekehrten Raubtier.

Der Schwarzwaldverein vertritt im Südwesten 65 000 Mitglieder und versteht sich als Lobby für Wanderfreunde und als Naturschutzverband. Keller und seine Mitstreiter befürchten, dass sich durch die Rückkehr des Wolfes die „Kulturlandschaft wesentlich verändern wird“. Die Bewirtschaftung der steilen Hänge im Schwarzwald durch Weidetierhaltung werde deutlich erschwert. „Bei Wolfsangriffen auf eingezäunte Weidetiere kann es zu großen Verlusten kommen“, warnt er.

Die Konsequenz: „Es ist zu befürchten, dass die vielen Nebenerwerbslandwirte diesen zusätzlichen Aufwand nicht übernehmen und die Bewirtschaftung einstellen.“ Die Bauern seien schon seit langem in einer prekären Situation, da wirke der „Wolf wie der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“.

Keller warnt, ohne Landwirte und ihr Weidevieh sterbe die Schwarzwaldlandschaft. „Für den Schwarzwald wird es katastrophal“, sagt er. Deshalb müsse der Schutzstatus des Wolfes überprüft und die Möglichkeit zur Bestandssteuerung eröffnet werden. Der Schwarzwaldverein schlägt ein Bejagungsmodell vor, das sich am Beispiel der Rotwildgebiete orientiert. Damit wären Jagd- und Schonzeiten, Muttertierschutz, aber auch am Zuwachs orientierte Abschussquoten möglich.

„Ein Nebeneinander von Wolf und Weidetieren kann es nicht geben“, zweifelt Keller grundsätzlich an der bisherigen Politik des Landes. Wolfsnachweise gibt es in Baden-Württemberg seit eineinhalb Jahren im Nordschwarzwald.