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Prozess Mann soll Jungen mehrfach vergewaltigt haben / Mutter des Kindes war beteiligt und nahm Geld

Schweizer wegen Missbrauch vor Gericht

Archivartikel

Freiburg.Knapp fünf Monate nach Bekanntwerden des schweren Missbrauchs eines Jungen in Staufen bei Freiburg hat der Prozess gegen den vierten der insgesamt acht mutmaßlichen Täter begonnen. Angeklagt vor dem Landgericht Freiburg ist ein 37 Jahre alter Mann aus der Schweiz. Dem gelernten Maurer aus dem Schweizer Kanton St. Gallen werde unter anderem schwere Vergewaltigung zur Last gelegt, sagte Staatsanwältin Nikola Novak zum Prozessauftakt gestern. Bei der Befragung des Angeklagten vor Gericht wurde die Öffentlichkeit gestern ausgeschlossen.

Als Polizist ausgegeben

Der Mann habe den in Staufen bei Freiburg lebenden Jungen, der heute neun Jahre alt ist, dreimal vergewaltigt, so die Staatsanwältin. Die Mutter und ihr Lebensgefährte sollen das Kind hierfür zur Verfügung gestellt und von dem Mann insgesamt 50 Euro kassiert haben. Die Taten wurden der Anklage zufolge gefilmt und die Aufnahmen an andere weitergeleitet.

Der Junge wurde den Angaben zufolge mehr als zwei Jahre lang von Männern aus dem In- und Ausland vergewaltigt. Die 48 Jahre alte Mutter des Kindes und ihr 39 Jahre alter Lebensgefährte sollen ihn hierfür im Internet angeboten haben. Es gibt insgesamt acht Verdächtige. Jeder von ihnen ist einzeln angeklagt.

Der nun Angeklagte sei von Spätherbst 2016 bis Januar 2017 dreimal aus der Schweiz ins südliche Baden-Württemberg gereist, um den Jungen zu vergewaltigen, sagte Novak. Er habe sich dem Kind gegenüber als Polizist ausgegeben und ihm gedroht, es komme in ein Heim und seine Mutter werde verhaftet, wenn es sich weigere oder wehre. Der Lebensgefährte der Mutter des Kindes sei an den Taten beteiligt, die Mutter informiert und in die Tatplanung eingebunden gewesen.

Der Junge sei an einen Stuhl gefesselt, beleidigt, gedemütigt und erniedrigt worden. Eine Chance, sich zu wehren, habe das Kind nicht gehabt. Bei dem ledigen Angeklagten handele es sich um „ein unbeschriebenes Blatt“, sagte sein Verteidiger Robert Phleps. Er habe die Taten gestanden. Der Mann war im vergangenen Dezember im österreichischen Feldkirch festgenommen worden, nachdem er von der Schweiz nach Österreich eingereist war. Er war mit europäischem Haftbefehl gesucht worden.

Urteil im Juni

Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil soll es den Angaben zufolge im Laufe des Juni geben. Der Prozess gegen die Mutter des Kindes und deren Lebensgefährten beginnt am kommenden Montag. Die beiden gelten als Hauptbeschuldigte in dem Fall, der im Januar bekannt geworden war. In Baden-Württemberg werden jährlich weiter mehr als 1500 Kinder Opfer von Misshandlungen und sexuellem Missbrauch. Die Zahl lag 2017 bei 1637 Fällen. Damit gab es im Vergleich zu 2016 (1697 Fälle) nur einen leichten Rückgang. Dies erklärte das Stuttgarter Innenministerium auf Anfrage dieser Zeitung. Den größten Teil machte der sexuelle Missbrauch von Kindern mit 1334 Fällen (2016: 1393) aus. 303 Kinder (2016: 304) wurden misshandelt.