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Wirtschaft Vorfeld-Arbeiter am Frankfurter Flughafen sind extremer Hitze ausgesetzt / Kurze Hosen verboten

Schwitzen unter dem Airbus A 380

Archivartikel

Frankfurt.Wenn Herr Erdogan auftaucht, sind erfreute Gesichter garantiert. Denn Yüksel Erdogan fährt einen der sechs Getränkewagen, die an diesem Mittwoch auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens unterwegs sind, um die Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste zwischendurch mit Getränken zu versorgen. In acht Behältern mit Zapfhähnen hat er jeweils 7,5 Liter kalte Getränke. „Nach einer Stunde brauche ich neuen Nachschub“, sagt er. „Multivitamin ist besonders beliebt.“ Und auch Erdogan kann sich der Wertschätzung seiner Kollegen sicher sein: „An Tagen wie diesen winken die schon, sobald sie den Wagen sehen.“ Kühlung etwa in Form einer Klimaanlage hat er selbst nicht. „Leider.“

Schweißtropfen glitzern auf Yakub Bekers Nacken, während er in kleinen Schlucken einen Becher Wasser trinkt – eine willkommene Pause beim Beladen des A 380, der um elf Uhr nach New York startet. Eine Stunde haben Beker und seine Kollegen, um Fracht und Gepäck zu verladen. Schatten gibt es nur unter den Flügeln – aber die Arbeit der Männer findet im gleißenden Sonnenschein statt. „Ich arbeite hier seit 28 Jahren, da habe ich schon alles an Wetter erlebt“, meint Beker. Und die Hitze? „Daran gewöhnt man sich. Man muss halt viel trinken.“

Travis Handrick, erst seit sieben Wochen Mitarbeiter der Bodendienste, hat sich noch nicht an solche besonderen Arbeitsbedingungen gewöhnt. „Der Job ist schon an sich anstrengend – bei dieser Hitze dann ganz besonders.“

Pro Tag arbeiten nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport bis zu 3100 Mitarbeiter in den Bodenverkehrsdiensten in den Bereichen Lade-, Gepäck- und Transportservice – allerdings nicht alle auf dem Vorfeld, wo die Luft flimmert.

Schon am Vormittag strahlt Hitze vom Betonboden. „Da kann man noch mal zehn Grad zu den Thermometerwerten hinzurechnen“, sagt Udo Schuh, Stellenleiter des Abfertigungsbereichs, der auch für den A 380 zuständig ist. Trotz der vergangenen Hitzetage seien bisher keine Kreislaufprobleme gemeldet worden. „Aber man merkt, dass die Leute langsamer machen müssen.“

Nicht nur an Hitzetagen wie diesen wird bei Fraport darüber nachgedacht, wie die schwere körperliche Arbeit bei heißem Wetter zu schaffen ist. Kurze Hosen jedenfalls sind verboten – wegen der Arbeitssicherheit. Künftig soll es aber Kappen geben, die den Nacken vor der Sonne schützen. Auch UV-beständigere Kleidung sei ein Thema, sagt Schuh. Schon jetzt gebe es Arbeitshosen aus dünnerem Stoff und Sonnenbrillen für die Fahrer auf dem Vorfeld.

Bisher herrschte auf dem Frankfurter Flughafen noch nicht so extreme Hitze, dass die Arbeit auf dem Vorfeld ähnlich wie bei Gewittern ruhen musste, sagt Schuh. „Aber ich will nicht ausschließen, dass es bei wirklich extremer Hitze vielleicht mal dazu kommt.“