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Corona Winfried Kretschmann stützt Sozialminister Manfred Lucha – der kontert die Kritik an seinem Krisenmanagement

„Sehe uns sehr gut aufgestellt“

Stuttgart.Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat seinem wegen des Corona-Managements in der Kritik stehenden Gesundheits- und Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) demonstrativ den Rücken gestärkt. Auf die Forderung von SPD-Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch, Lucha aufgrund grober handwerklicher Fehler und Planlosigkeit das Corona-Krisenmanagement zu entziehen, sagt der Regierungschef am Dienstag in Stuttgart: „Das werde ich nicht tun. Ich wüsste nicht, warum. Es gibt immer was zu verbessern, und wir sind ein lernendes System in der Corona-Krise“, stellt sich Kretschmann hinter seinen grünen Parteikollegen.

Dabei ist Lucha bei der Regierungspressekonferenz am Dienstag durchaus anzusehen, dass er schon mal vergnüglichere Tage im Amt hatte. Dass er nicht mit Kretschmann und den Kabinettskollegen, Justizminister Guido Wolf (CDU) und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) – die ein millionenschweres Hilfsprogramm für den Tourismus verkünden – auf dem Podium sitzt, sondern seitlich am Stehpult platziert ist, ist aber nur den Corona-Abstandsregeln geschuldet und der Tatsache, dass Lucha als Letzter mit Verspätung zum Pressetermin hetzte. Aber er wirkt angespannt, hat tiefe Ringe unter den Augen, lacht deutlich zu laut über Nichtiges und wird unvermittelt hochgradig ärgerlich, als er sich zu einem möglichen Feuerwerksverbot an Silvester äußern soll – die Nerven liegen blank.

Enormer Druck

„Also Leute, man sollte sich schon mal überlegen, was gerade in die Zeit passt“, platzt es in seiner bayerischen Mundart aus ihm heraus, „sind Silvesterfeuerwerke wirklich das größte Problem, das wir gerade haben?“ Luchas größtes Problem ist die Feuerwerksdebatte gerade definitiv nicht. Der Druck auf den Gesundheitsminister ist enorm, alle zerren an ihm, und das seit Monaten. Zu spät, zu langsam, zu wenig, zu schlecht gemacht, zu ungenau, nicht klar geregelt – vieles, was es am Corona-Management des Landes zu kritisieren gibt, weist in seine Richtung und lässt sich nicht in bewährter Lucha-Manier wortreich zerreden.

Abstimmungs- und Kommunikationsprobleme bei der Corona-Verordnung, Überlastung der Gesundheitsämter bei der Kontaktnachverfolgung, verwirrende Quarantäneregeln, fehlendes Schutzkonzept für Alten- und Pflegeheime, zu wenig und zu spät bestellte Antigen-Schnelltests – Lucha steht stets in der Schusslinie, und die Kritiker feuern stets das böse Überforderungs-Wort mit ab. Zwischen dem Staatsministerium, an das der Corona-Lenkungskreis angedockt ist, und dem Sozialministerium soll frostige Stimmung herrschen.

Immerhin kann Lucha am Dienstag in einigen Punkten Vollzug melden. Für die Schulen solle es jetzt endlich eine konkrete Sechs-Punkte-Handreichung geben, wie Quarantänefälle zu handhaben sind, Corona-Infizierte mit positivem Test sollen sich künftig auch ohne amtliche Aufforderung rechtsgültig selbst in Quarantäne schicken und um die Nachverfolgung ihrer Kontakte kümmern dürfen. All das soll an diesem Mittwoch im Lenkungskreis beschlossen werden und landesweit die Gesundheitsämter entlasten. „Ich habe vielleicht vier Wochen zu wenig mit den Gesundheitsämtern gesprochen, das räume ich ein, ich dachte, das reicht auf Arbeitsebene“, sagt Lucha, bescheinigt sich aber sonst eine ordentliche Leistung. „Ich sehe uns sehr gut aufgestellt“, bemüht er den Vergleich zu Bayern und Österreich.

Zu einer möglichen Rücknahme der November-Einschränkungen im Dezember und einer Perspektive für die Gastronomie im Land wollte sich Kretschmann unterdessen nicht äußern. „Wenn die Infektionszahlen bis zur nächsten Ministerpräsidentenkonferenz nicht sinken, kommen wir um strengere Maßnahmen nicht herum“, kündigte er an, „für Lockerungen müssten wir sehr viel schneller von den Infektionszahlen herunterkommen. Und man darf nie vergessen: Wir befinden uns derzeit in einer Infektionslage, die uns vor wenigen Wochen noch hochgradig erschreckt hätte.“

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