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Bildung Eltern erwägen Klage wegen Unterrichtsausfällen

„Situation ist Katastrophe“

Stuttgart.Die Unterrichtsausfälle an Gymnasien haben nach Einschätzung von Elternvertretern ein unzumutbares Ausmaß angenommen. Die Arbeitsgemeinschaft (Arge) der Elternbeiräte in Stuttgart droht deshalb mit einer Klage gegen das Land Baden-Württemberg. Zunächst wollen die Eltern aber noch einmal das Gespräch mit Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) suchen. „Die Situation ist eine Katastrophe“, sagte der Vorsitzende der Arge, Michael Mattig-Gerlach, gestern in Stuttgart.

Jens Hoeksma, Vater eines Gymnasiasten in Freiburg, sagte: „Ich habe Angst, dass mein Sohn das Abitur nicht schafft.“ Die Prüfungsanforderungen seien gleich geblieben, obwohl wegen der Ausfallzeiten weniger Stoff vermittelt werde. Hoeksma listete 92 Stunden auf, die seit Schuljahresbeginn bei seinem Sohn in der zehnten Klasse ausgefallen und auch nicht vertreten worden seien. Laut Mattig-Gerlach entspricht dies einem Anteil von elf Prozent an dem regulären Unterricht.

Eine Sprecherin des Kultusministeriums bestätigte den Unterrichtsausfall in diesem konkreten Fall. Das Regierungspräsidium Freiburg sei mit dem Gymnasium im Gespräch, um den Ausfall zu verringern. Grundsätzlich gebe es Planungsfehler aus der Vergangenheit. „Das Grundproblem besteht darin, dass es derzeit schlicht zu wenig Lehrer gibt. Wir haben im Moment offene Stellen, die wir aber leider nicht alle besetzen können.“

Unter Ressortchefin Eisenmann hatte das Kultusministerium im Juni und im November 2018 für jeweils eine Woche die Ausfälle an allen öffentlichen Schulen erfasst. Nach den Zahlen vom November konnte rund jede elfte Unterrichtsstunde (9,1 Prozent) nicht wie geplant stattfinden. Etwa 40 Prozent dieser Stunden fielen komplett aus. lsw