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Bildung Viermal so viele Kinder lernen wegen Corona in den Ferien / Gewerkschaft kritisiert zu kurzfristiges Angebot

Sommercamps stärker nachgefragt

Frankfurt.Der, die das. Nicht so einfach, wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist. Stuhl? Tisch? Buch? Acht Erstklässler der Frankfurter Liebfrauenschule halten blaue, rote, grüne Zettel hoch, um den richtigen Begleiter anzuzeigen. Oft ist sind die Zettelfarben der Kinder bunt gemischt. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat auch Begleiter dabei, ziemlich viele sogar. Sie informieren sich über die Sommercamps, in denen Kinder nach der Schulschließung Stoff nachholen können.

Studenten sollen lehren

Die freiwilligen Angebote sollen „eine Brücke schaffen zwischen dem Ausnahmezustand der vergangenen Monate und dem neuen Schuljahr“, sagt Lorz. „Wir haben die Hoffnung, dass wir das neue Jahr wenigstens so nah wie möglich am Regelbetrieb beginnen können.“ 130 Schulen im Land bieten für 7000 Schüler Sommercamps an. Sie werden von den Schulen und deren Lehrkräften organisiert. Obwohl in diesem Schuljahr niemand eine Klasse wiederholen muss, beteiligten sich laut Ministerium im Vergleich zu den Vorjahren viermal so viele Kinder und Jugendliche.

Neben den Sommerferiencamps gibt es in diesem Jahr in Hessen erstmals 360 sogenannte Ferienakademien. Mehr als 15 000 Schülerinnen und Schüler haben sich angemeldet, wie das Ministerium mitteilte. Bei dem freiwilligen und kostenlosen Angebot kann in den letzten beiden Wochen der Ferien Deutsch, Mathematik oder auch Englisch gebüffelt werden. Als Lehrpersonal sollen laut Ministerium vor allem Lehramtsstudenten eingesetzt werden.

50 Familien habe die Schule angesprochen, berichtet Schulleiterin Susanna Kock, 31 Kinder hätten das Angebot angenommen. Deutsch und Mathe stehen im Vordergrund, es gehe darum, „die spezifischen Defizite des einzelnen Kindes auszugleichen“.

Wird das ausreichen, damit im neuen Schuljahr alle auf einem Stand sind? Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ist nicht überzeugt. „Diese Aktionen des Kultusministeriums dienen in erster Linie zur Beruhigung der Eltern“, sagt der Geschäftsführer der GEW Hessen, Ulrich Märtin. „Die Ferienangebote wurden so kurzfristig an die Schulen weiter gegeben, dass eine sinnvolle Vorbereitung und inhaltliche Abstimmung mit den Lehrkräften nicht möglich war.“ Teils würden pensionierte Lehrkräfte eingesetzt, „die in Corona-Zeiten zwangsläufig zu den Risikogruppen gehören“, Ehrenamtliche oder Studierende „im „nullten“ Semester“. Die GEW hofft, „dass der Schulanfang nach den Sommerferien nicht ähnlich chaotisch durch das Kultusministerium vorbereitet wird, wie die Erfahrungen in den letzten Monaten gezeigt haben“. lhe