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Untreueverdacht Schwiegermutter äußert schwere Beschuldigungen / Angebliche Ungereimtheiten bei Stiftungsgeldern

Sonntag weist Vorwürfe zurück

Archivartikel

Stuttgart.Es sind schwere Anschuldigungen, denen sich der bekannte schwäbische Kabarettist Christoph Sonntag (57) ausgesetzt sieht. Hat er Landesgelder seiner Stiftung veruntreut?

Diesen Vorwurf erhebt Sonntags Schwiegermutter in einem Brief, der vor einigen Tagen den „Stuttgarter Nachrichten“ zugegangen ist. Das Blatt berichtete danach groß darüber.

Wo einige bereits einen großen Skandal wittern, sprechen andere von einer Racheaktion. Denn Sonntag lebt in Scheidung von seiner Frau – und ihre Mutter wolle sich an ihm rächen, lautet die Lesart derjenigen, die es mit Sonntag gut meinen. Und Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) findet sich inmitten einer Schlammschlacht wieder.

Doch der Reihe nach. Die Schwiegermutter hat ihren Brief direkt an Lucha adressiert. Der Grünen-Politiker erhielt das Schreiben deswegen, weil sein Ressort 259 460 Euro an Landesmitteln für ein Projekt der Stiftung Sonntags zur Verfügung stellt. Dies bestätigt eine Sprecherin Luchas gegenüber unserer Zeitung. Das Projekt heißt „A-B-C-D-E-Mokratie neu buchstabiert!“ und soll zur Demokratiebildung junger Menschen beitragen.

Es werden Demokratiewochen an Schulen veranstaltet, bei denen auch Sonntag selbst auftritt. In dem Stuttgarter Medienbericht behauptet Sonntags Schwiegermutter, der Kabarettist habe sich aus den Landesfördermitteln persönlich bereichert. Dabei seien die Beträge von Sonntag auf vier verschiedene Subunternehmen aufgeteilt worden.

Anwalt geht von Strafanzeige aus

„Ich habe den Eindruck, dass mit den Geldern nicht ordnungsgemäß umgegangen wurde“, untermauert Rechtsanwalt Andreas Ruck die Vorwürfe. Ruck vertritt Elisabeth Sonntag (31) beim Scheidungskrieg zwischen den beiden Noch-Ehepartnern – und hat nach eigener Aussage Einblick in die Unterlagen.

Er gehe davon aus, dass es in absehbarer Zeit eine Strafanzeige geben werde. Skeptisch bewerte er auch die Tatsache, dass die Stiftung Sonntags gar keine Stiftung sei, sondern rechtlich als eine GmbH gegründet worden sei. Anwalt Ruck sieht die Stuttgarter Staatsanwaltschaft am Zug. Deren Sprecher Heiner Römhild erklärt, man habe in der Sache ein Prüfverfahren eingeleitet. Dieses sei nicht gleichzusetzen mit Ermittlungen.

„Es wird jetzt geprüft, ob überhaupt die Möglichkeit besteht, dass hier eine Straftat begangen wurde“, sagt Römhild. Kabarettist Sonntag weist die Anschuldigungen über seine Stiftung zurück.

„Diese Vorwürfe sind völlig haltlos und aus der Luft gegriffen und im Rahmen einer familienrechtlichen Auseinandersetzung entstanden, um nicht zustehende Forderungen durchzusetzen“, ist in einer Presseerklärung der Stiftung zu lesen. Aus dem Sozialministerium heißt es, man habe die Verantwortung für das Projekt der Landeszentrale für politische Bildung übertragen. Die Landeszentrale habe „im Mai 2018 vom Sozialministerium den Auftrag erhalten, die Christoph-Sonntag-Stiftung für die Durchführung dieses Projekts bis Juli 2019 zu fördern“, erklärt eine Sprecherin.

Fragezeichen um Prüfung

Bei der Landeszentrale ist man über die Anschuldigungen verwundert. Deren Vize-Direktor Karl-Ulrich Templ erklärt, er könne die im Raum stehenden Vorwürfe nicht nachvollziehen. So werde die Frage aufgeworfen, warum hier öffentliche Aufträge nicht transparent ausgeschrieben worden seien.

„Die Stiftung von Herrn Sonntag hat eine Zuwendung bekommen. Da ist keine Ausschreibung nötig“, stellt Templ klar. Allerdings lässt eine Aussage der Sprecherin Luchas aufhorchen. „Bei der Prüfung des Verlängerungsantrags der Landeszentrale für politische Bildung durch das Sozialministerium sind mögliche Ungereimtheiten aufgefallen“, sagt sie.

Weitere Details wolle sie wegen des laufenden Verfahrens nicht nennen. Zudem erklärt sie, dass sich Lucha und Sonntag näher kennen würden. Mit der Förderzusage habe dies aber nichts zu tun.

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