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Landesvater Kretschmann richtet Feier zum 80. Geburtstag des Alt-Ministerpräsidenten aus / CDU-Chefin kommt zu Symposium

Späte Wertschätzung für Teufel

Archivartikel

Stuttgart.Einst besuchten Winfried Kretschmann und Erwin Teufel bei einer gemeinsamen Kreuzfahrt mit ihren Frauen biblische Stätten rund ums Mittelmeer. Der Grüne und der Schwarze schätzen sich seit langem. Zum 70. Geburtstag des amtierenden Ministerpräsidenten würdigte Teufel Kretschmann als „Mann der Mitte“. An diesem Mittwoch, wenn nun der Alt-Ministerpräsident 80 wird, revanchiert sich der Grünen-Regierungschef mit einem großen Empfang im Stuttgarter Neuen Schloss. Dafür muss sich CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer drei Tage gedulden, bis sie ihrem Parteifreund dann am Samstag im Rahmen eines Symposiums gratulieren darf.

Einen ganzen Abend nimmt sich Kretschmann Zeit für seinen Vor-Vor-Vorgänger. Nach dem Defilee zur persönlichen Begrüßung der Gäste sind als Redner nur der Ministerpräsident und der Jubilar vorgesehen. Anschließend geht es für geladene Gäste zum Abendessen.

Die eigene Partei kommt bei den Geburtstagsfeierlichkeiten erst am folgenden Wochenende zum Zuge. In der Neuen Tonhalle in Villingen-Schwenningen sprechen beim Symposium „Christliche Werte in der Gesellschaft von heute und morgen“ nach Teufel für die Bundes-CDU Kramp-Karrenbauer sowie für die Südwest-CDU Generalsekretär Manuel Hagel. Zur Runde gehört auch die von Teufel in die Politik geholte frühere Kultusministerin Annette Schavan. Eingerahmt wird die Tagung von einer Heiligen Messe im Villinger Münster und einem Großen Zapfenstreich des Landesverbandes der Bürgerwehren.

Enttäuschte Liebe

Gut 14 Jahre ist es her, dass Teufel unter dem Druck seiner Parteifreunde die baden-württembergische Regierungszentrale in der Villa Reitzenstein räumen muss. Da ist er Deutschlands dienstältester Ministerpräsident, fühlt sich aber von seinen CDU-internen Gegnern um den Lohn seiner Arbeit gebracht. „Felsenfest“ ist er damals überzeugt, dass er 2006 die absolute Mehrheit hätte erobern können. Er lässt sich viele Jahre bei Parteitagen der CDU nicht mehr blicken. Als er dann doch wieder einmal kommt, sitzt er verloren im Publikum. In dieses CDU-Vakuum stößt Kretschmann mit seiner Teufel-Verehrung.

Teufel macht nach 14 Amtsjahren einen konsequenten Schnitt zur Landespolitik. Der Mann, der nach der Mittleren Reife das Gymnasium verlassen hat, beginnt ein Philosophiestudium an der Jesuitenhochschule in München. Dabei eilt dem Schwaben, der es vom Bauernsohn zum Landesvater schafft, schon vorher der Ruf voraus, dass er die Bücher selbst gelesen hat, über die andere Politiker nur reden.

Die Karriere Teufels wäre heute so wohl nicht mehr möglich. Nach der Schule absolviert er eine Ausbildung in der öffentlichen Verwaltung, wird 1964 in Spaichingen zum damals jüngsten Bürgermeister Deutschlands gewählt. Er kommt in den Landtag, wird als Mann der Jungen Union gleich Staatssekretär und dann für viele Jahre Chef der Landtagsfraktion und damit die Nummer 2 der Südwest-CDU. Als Vorgänger Lothar Späth in der Traumschiffaffäre versinkt, wird Teufel 2001 Ministerpräsident. Der Schwabe mit dem kantigen Schädel ist christlich geprägt, gilt als bodenständig und verlässlich. „Könnte man sich auf alle verlassen wie auf ihn, dann wäre Demokratie eine leise blühende Ordnung“, schreibt der Dichter Martin Walser.

Zäh verfolgt Teufel die Ziele, die er einmal als für sich richtig erkannt hat. In seiner Amtszeit fusionieren Baden-Werk und Energie-Versorgung Schwaben zur EnBW, der SWR entsteht als Zwei-Länder-Anstalt aus Süddeutschem Rundfunk und Südwestfunk. 1998 gelingt ihm die Gründung der Landesbank Baden-Württemberg.

Als Ruheständler wird Teufel, der bei seinen Auslandsreisen einen Dolmetscher braucht, Präsident des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg. Der Landesvater wandelt sich zum glühenden Europäer. Das Engagement hält bis heute an.

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