Länder

Pandemie Kassenärztliche Vereinigung sieht Umsetzung kritisch

Spahn: Mehr Tests in Altenheimen

Archivartikel

Stuttgart.Sie leiden oft an Vorerkrankungen sowie an einem geschwächten Immunsystem: Bewohner in Alten- und Pflegeheimen zählen in Zeiten der Corona-Pandemie zu den mit am stärksten gefährdeten Personengruppen. Infektionen, wie zuletzt in einem Seniorenheim in Marxzell (Kreis Karlsruhe), führen daher oft zu vielen Covid-19-Fällen. Als Reaktion will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ab Mitte Oktober flächendeckende Corona-Tests durchführen.

Spahn hatte angekündigt, vor allem die Zahl der Corona-Schnelltests deutschlandweit für Pflegeheime zu erhöhen. Werde in einer Einrichtung eine Infektion festgestellt, soll jeder, der in den vergangenen zehn Tagen dort war, Anspruch auf einen Test haben. Pflegeheime bekommen demnach monatliche Kontingente zugewiesen. So sollen rein rechnerisch pro Bewohner 50 Tests pro Monat zur Verfügung stehen.

Die Tests in den Pflegeheimen im Südwesten werden organisiert von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden-Württemberg, also von Allgemeinmedizinern vor Ort oder von Fieberambulanzen. KV-Sprecher Kai Sonntag ist jedoch skeptisch, ob die Massentests umsetzbar sind. Zum einen sei fraglich, ob die Kapazitäten der Labore ausreichten, zum anderen sei der Personalbedarf für die Tests selbst in den Pflegeheimen sehr hoch. „Bislang wurden vor allem diejenigen getestet, die selbst Symptome hatten oder in direktem Kontakt zu positiv Getesteten standen“, sagt Sonntag. Dies entspreche den Kriterien des Robert Koch-Instituts – und nur dann würden auch die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Würden alle Mitarbeiter und Bewohner getestet, was von den örtlichen Gesundheitsämtern angeordnet werden müsse, würden die Mehrkosten vom Land getragen.

Todesfälle nicht separat erfasst

Wie schnell sich Infektionen ausbreiten, wurde im Seniorenheim in Marxzell deutlich. Nach einem positiven Fall hatten sich im betreffenden Wohnbereich bis auf eine Person alle Senioren angesteckt – insgesamt sind es 29 Infektionen. Das Gesundheitsamt hat jetzt angeordnet, dass alle 98 Bewohner sowie 70 Mitarbeiter getestet werden. „Bei einem Ausbruch in einer Pflegeeinrichtung ermittelt das Gesundheitsamt mögliche Kontaktpersonen. Enge Kontaktpersonen werden unter Quarantäne gestellt“, so ein Sprecher des Stuttgarter Sozialministeriums.

Das Sozialministerium erfasst Todesfälle in Alten- und Pflegeheimen infolge von Covid-19-Infektionen nicht separat. Insgesamt gebe es in Baden-Württemberg bislang 814 Covid-19-Todesfälle in Einrichtungen gemäß Paragraf 36 des Infektionsschutzgesetzes, erklärt der Sprecher. Neben Altenheimen zählen dazu auch Menschen in Flüchtlings- und Obdachlosenunterkünften sowie Insassen von Justizvollzugsanstalten.

Zum Thema