Länder

Europawahl Evelyne Gebhardt und Peter Simon werfen Hut in den Ring / Generalsekretärin Luisa Boos überlegt noch

SPD-Duo kandidiert erneut

Stuttgart.Die langjährige SPD-Europaabgeordnete Evelyne Gebhardt (Bild links) will sich für eine weitere Amtszeit bewerben. „Ich trete wieder an“, sagte die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, die in Künzelsau wohnt, auf Anfrage. Den Mannheimer Europaabgeordneten Peter Simon (Bild rechts) hat am Wochenende eine Kreisdelegiertenversammlung der SPD als Kandidaten einstimmig nominiert. Eine Kandidatur prüft auch Luisa Boos, die Generalsekretärin der Südwest-SPD.

Die 64-jährige Gebhardt hatte bisher nur intern ihre erneute Kandidatur signalisiert. Sie war bei der Europawahl 2014 auf der bundesweiten Liste der SPD als erste Baden-Württembergerin auf Platz 6 zum Zug gekommen. Simon als Nummer 2 der Südwest-SPD hatte auf Platz 17 gerade noch das Ticket nach Brüssel gelöst. Damals hatte Martin Schulz als SPD-Spitzenkandidat für ein gutes Ergebnis gesorgt.

„Ich bin am Überlegen und habe noch keine Entscheidung getroffen“, lässt Boos über einen Parteisprecher ausrichten. Es gilt aber SPD-intern als ausgemacht, dass die umstrittene Generalsekretärin nicht gegen das Spitzenduo Gebhardt/Simon antritt. „Bei einer solchen Kampfkandidatur wäre sie tot“, beschreibt ein Genosse ihre Aussichten. Boos könnte sich also höchstens für den aussichtslosen dritten Platz auf der Vorschlagsliste der Südwest-SPD bewerben. Ihre Kritiker werten das Nachdenken über eine Bewerbung als Beleg, dass die 34-Jährige den Parteijob abgeben möchte.

Die Rangfolge der baden-württembergischen SPD soll eine Landesdelegiertenversammlung am 22. September in Tuttlingen festlegen. Völlig unklar ist aber bis dahin noch, welche Plätze auf der Bundesliste der Südwest-SPD zufallen. Die Reihenfolge wird in einem komplizierten Verfahren berechnet und dann noch politisch gewichtet. Dass Gebhardt sich um den Spitzenplatz im Südwesten bewirbt, gilt als sicher.

Gebhardt wird vom Flügel der Netzwerker unterstützt. Die Pragmatiker wollen dem Vernehmen nach verhindern, dass die Parteilinke Boos einen aussichtsreichen Platz bekommt. Dabei geht es auch um den Zweitkandidaten, der im Falle eines vorzeitigen Ausscheidens für Gebhardt ins EU-Parlament nachrücken würde. Insider berichten, die Vizepräsidentin habe sich bereits gegen Boos als ihre Nachrückerin ausgesprochen.

Denkbar wäre aber auch ein neues Verfahren für die Kür der Kandidaten in Tuttlingen, das sich an die Regeln für Bundestagswahlen anlehnt: Scheidet dort ein Abgeordneter in der Legislaturperiode aus, kommt automatisch der nächste Bewerber von der Landesliste zum Zug. Käme es zu dieser Variante, würde der Wettbewerb um Rang 3 der EU-Vorschlagsliste groß. Bilder: Europäisches Parlament/Simon