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Kitaplätze Landesweit fehlt Personal / Städte können teilweise keine neuen Betreuungsgruppen mehr anbieten

SPD fordert Fachkräfteoffensive

Archivartikel

Stuttgart.Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) rechnet mit einem „hohen Bedarf“ an zusätzlichen Erzieherinnen und Erziehern für die Kitas und Kindergärten. Dabei klagen viele Städte, dass sie schon jetzt neue Gruppen nicht öffnen können, weil ihnen das pädagogische Fachpersonal fehlt. Der SPD-Abgeordnete Daniel Born verlangt vor diesem Hintergrund eine „umfassende Fachkräfteoffensive zur Stärkung der Kitas“. Der Oppositionsmann wirft der grün-schwarzen Regierung vor, die „Führungsrolle Baden-Württembergs im Bereich der frühkindlichen Bildung zu verspielen“.

Born sieht großen Handlungsbedarf: „Wir haben ja viele Eltern, die keinen Betreuungsplatz haben.“ Der Südwesten müsse seinen Familien überall qualitätsvolle und gebührenfreie Bildung bieten, fordert er.

Eisenmann geht davon aus, dass der Mangel an Fachkräften regional unterschiedlich ausgeprägt ist. Den wachsenden Bedarf leitet sie vor allem aus der seit 2012 wieder steigenden Geburtenzahl und dem Wunsch vieler Eltern nach längeren Betreuungszeiten ab. Im Frühjahr 2017 wurden nach der amtlichen Statistik 424 500 Kinder in Tageseinrichtungen betreut, darunter 89 000 unter Dreijährige. Das entspricht bei den Kleinkindern einer Betreuungsquote von 28,6 Prozent. Neuere Zahlen fehlen.

Wachsende Engpässe

Als „zunehmendes Problem“ beschreibt der zuständige Städtetagsdezernent Benjamin Lachat den Mangel an Fachpersonal in Kitas und Kindergärten. Die Kommunen hätten Schwierigkeiten, den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz zu erfüllen: „Das Personal ist der Schlüssel.“ Verschärft werde die Lage durch den Altersquerschnitt bei den Erzieherinnen und Erziehern. 13 200 sind nach Angaben des Kultusministeriums 55 Jahre oder ältern. Für Lachat ist klar: „Die Personalgewinnung muss bei der Umsetzung des Paktes für Bildung und Betreuung ganz vorne stehen.“ Es sei eine gemeinsame Anstrengung von Kommunen und Land notwendig.

Die Kultusministerin verweist auf die Verantwortung der Städte und Gemeinden. „Die Bedarfsplanung liegt in der Zuständigkeit der Kommunen“, schreibt Eisenmann in ihrer Antwort auf einen SPD-Antrag. Das Land habe die Ausbildungskapazität durch mehrere Maßnahmen erhöht. Die neue „Praxisintegrierte Ausbildung“ (PiA) habe Zulauf, aber die Bewerberzahlen bei der traditionellen Ausbildung seien „leicht rückläufig“. Die Träger haben dem Vernehmen nach deshalb die Anforderungen für die Einstellung von Auszubildenden gelockert. Große Nachfrage gibt es nach Eisenmanns Angaben für die jeweils 622 Studienanfängerplätze für Frühpädagogik mit über 3000 Bewerbungen. Die Ministerin verweist darauf, dass die Absolventen meist nur kurz in Kitas arbeiten. Offenbar wechseln sie in besser bezahlte Jobs, etwa der Schulsozialarbeit.

SPD-Mann Born will die Ministerin in die Pflicht nehmen. Das Land sei gefragt bei der Aufwertung der Arbeitsplätze in den Kitas. Hochschulabsolventen und Fachkräfte sollten für zusätzliche Aufgaben etwa in der Ausbildung Zulagen erhalten. Born kritisiert: „Diesen Stellschrauben schenkt die Regierung keine Beachtung.“