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Politik Thorsten Schäfer-Gümbel tourt im Vorwahlkampf durch Frankfurt und den Vogelsbergkreis

SPD-Landeschef hofft auf Ampel

Archivartikel

Schotten.Thorsten Schäfer-Gümbel tritt bei der Landtagswahl am 28. Oktober in Hessen zum dritten Mal als SPD-Spitzenkandidat an. Und der 48-jährige Partei- und Fraktionschef weiß natürlich, dass er als Herausforderer von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nicht in der Favoritenrolle ist. Andererseits hat Schwarz-Grün in den Umfragen auch keine Mehrheit mehr. Und Schäfer-Gümbel ist nicht der Typ, der resigniert in einen Wahlkampf ginge. Mit seiner Sommerreise durch Hessen versucht er, schon im Vorwahlkampf zu punkten.

Beim Zustandekommen einer Mehrheit von SPD, FDP und Grünen hätte er vielleicht die Chance, eine Ampelkoalition wie seine Parteifreundin Malu Dreyer in Rheinland-Pfalz zu bilden und so doch noch Bouffier aus dem Chefsessel in der Wiesbadener Staatskanzlei zu verdrängen. Bei der Reise, die ihn gestern und am Mittwoch durch Frankfurt und den Vogelsberg führt, hält sich Schäfer-Gümbel allerdings nicht lange mit Koalitionsspekulationen auf. Er besucht in Hessens größter Stadt Ausstellungen im Deutschen Architekturmuseum zu „Die Region leben“ und „Wohnen für alle“ und lässt sich vom Chef der städtischen Gesellschaft ABG ein günstig gebautes Wohnhaus zeigen. Das ermöglicht auch im teuren Frankfurt preiswerte Mieten. Auch den von einer Mietergenossenschaft umgerüsteten ehemaligen Geschäftsbau im Bahnhofsviertel und die Fläche für das umstrittene Neubaugebiet Frankfurts an der Grenze zu den Taunusgemeinden besucht Schäfer-Gümbel. Dabei macht er klar, dass er nur mit den drei Hauptthemen seiner Partei, Mobilität, bezahlbares Wohnen und Bildungsgerechtigkeit noch eine Chance sieht, das Ruder herumzureißen.

Kein Vertrauen zu Bouffier

Seine Reise zeige: „Das sind die Themen, die den Menschen auf den Nägeln brennen.“ Auf Flüchtlinge werde er kaum angesprochen. Mehrheiten für eine Zweierkoalition sieht der SPD-Mann nicht – mit Ausnahme der Großen Koalition wie im Bund, die aber weder er noch Bouffier wollen. Mit dem Amtsinhaber verbinde ihn kein Vertrauensverhältnis, er schließe aber ein „Verantwortungsverhältnis“ nicht aus, wenn am Ende doch nur die „Groko“ bliebe, etwa weil sich FDP und Grüne nicht einigen könnten. Doch dann bliebe ja wohl Bouffier Regierungschef, und mit der Frage nach seinem möglichen Eintritt ins Kabinett will sich Schäfer-Gümbel nur befassen, wenn es wirklich so weit kommt.

Lieber wäre ihm gewiss die Ampel mit ihm selbst als Ministerpräsident. Und das Verhältnis zur FDP, zum früheren Fraktionschef Florian Rentsch wie auch dessen Nachfolger Rene Rock, ist – nicht zuletzt durch die gemeinsame Oppositionszeit – gut. Hätte der SPD-Chef überall so erfolgreiche Mitstreiter wie die Bürgermeisterin der Vogelsbergstadt Schotten, Susanne Schaab, müsste ihm ums Wahlergebnis nicht bange sein. Seit 13 Jahren ist Schaab bereits im Amt und nach der dritten Wahl noch mindestens fünf weitere Jahre Stadtoberhaupt. Demnach versteht sie ihr Handwerk, schlägt sich aber mit dem örtlichen Denkmalschutz herum, der seit Jahren leerstehende Häuser verfallen lässt.

Außerdem bringt sie Schäfer-Gümbel mit dem für die Freien Wähler im Stadtrat sitzenden Milchbauern Hans-Ulrich Schmidt zusammen, dessen Hof schlimm unter der Dürre leidet. Dennoch hält Schmidt wenig von den Entschädigungsforderungen des Bauernverbands. Der vertrete die Interessen der Agrarindustrie – bei den kleinen Milchbauern sei nichts von dem Geld angekommen.

Schäfer-Gümbel, dessen Schwiegervater selbst Landwirt ist, wird derweil im ZDF nach dem Gerangel um die Bauernhilfe gefragt und für eine andere Sendung auch nach dem Einwanderungsgesetz. Teils Bundespolitische fragen, die Schäfer-Gümbel beantworten soll. Zunächst hatt er aber die Wahl in Hessen zu bestehen. Wie die ausgeht, weiß noch niemand.