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Landtag Ministerpräsident Volker Bouffier und Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel treten im selben Wahlkreis gegeneinander an

Spitzenduell direkt vor der Tür

Archivartikel

Gießen.Der hessische Ministerpräsident wird wohl auch künftig ein Politiker aus dem Wahlkreis Gießen II sein – so viel lässt sich schon vor der Landtagswahl am 28. Oktober sagen. Volker Bouffier und Thorsten Schäfer-Gümbel, Spitzenkandidaten von CDU und SPD, haben zwar vor allem die Wiesbadener Staatskanzlei im Blick. Doch die beiden treten auch im Kreis Gießen im direkten Duell gegeneinander an und wollen dort jeweils das Landtagsmandat für ihre Partei gewinnen.

Bei der letzten Wahl 2013 hatte Landesvater Bouffier die Nase vorn – wie letztlich auch seine Partei im ganzen Bundesland. Seitdem führt Bouffier als Ministerpräsident ein schwarz-grünes Bündnis an. Dass die beiden Spitzenpolitiker in ein und demselben Wahlkreis als Direktkandidaten aufeinandertreffen, nimmt SPD-Landeschef Schäfer-Gümbel gelassen: Das treibe ihn nicht um, sagt der Sozialdemokrat. Man begegne sich dort auch nicht im Wahlkampf. Schäfer-Gümbel nimmt zum dritten Mal Anlauf, Ministerpräsident zu werden. Zum zweiten Mal fordert er CDU-Amtsinhaber Bouffier heraus.

Der Wahlkreis 19 (Gießen II) liegt mitten in Hessen im Kreis Gießen. Dazu gehören die Städtchen und Gemeinden Allendorf, Buseck, Fernwald, Grünberg, Hungen, Langgöns, Lich, Linden, Pohlheim, Rabenau und Reiskirchen. Es sind beschauliche, ländlich geprägte Orte. Schäfer-Gümbel wohnt hier. Bouffier kandidiert zwar hier, lebt aber in seiner Heimatstadt Gießen, dem Oberzentrum der Region. Der Ministerpräsident setzt auf Hausbesuche in seinem Wahlkreis: „Ich bin ein überzeugter Haustürwahlkämpfer“, bekundete er kürzlich. „Man spürt, dass sich die Menschen freuen, wenn man sie persönlich aufsucht und anspricht.“

Auf ihren Heimvorteil können beide Kandidaten setzen: Für viele in und um Gießen ist der Landesvater einfach „der Volker“ und SPD-Landeschef Schäfer-Gümbel „der Thorsten“. Man kennt sich von früher und diversen Gelegenheiten.

Diese Nähe zu den Spitzenkandidaten motiviert die Wahlkämpfer vor Ort, die fleißig Plakate aufstellen und an den Ständen ihrer Parteien Passanten von deren Politik zu überzeugen versuchen. Der Wahlkampf in der Gießener Region sei angesichts der Direktkandidaten-Konstellation schon besonders, sagt Annette Bergen-Krause, die stellvertretende Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Gießen. Doch man wolle sich auf die Sachthemen konzentrieren und keine reine Personenwahl haben. Es gehe um Bildung, Mobilität und Wohnen. „Wir stehen mit unserem Kandidaten dafür, diese Themen auch umzusetzen.“

Im Wahlkreis 19 gebe es vielleicht eine auffällig hohe „Promidichte“, meint der Gießener CDU-Kreisgeschäftsführer Markus Schmidt. Und natürlich seien die Spitzenkandidaten etwas häufiger vor Ort als in anderen Wahlkreisen. Ansonsten aber unterscheide sich das Bouffier- und Schäfer-Gümbel-Land nicht von anderen Wahlkreisen. Die CDU will mit den Themen Forschung und Bildung punkten. lhe