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Prozess Plädoyers im Fall der getöteten Johanna / Urteil soll am 19. November verkündet werden

Staatsanwalt verlangt lebenslange Haft

Gießen.Fast 20 Jahre nach dem Tod der kleinen Johanna und sechs Monate nach Beginn des Prozesses gegen ihren mutmaßlichen Peiniger ist für die Staatsanwaltschaft klar: „Es war Mord und kein Unfall.“ Der Angeklagte habe sich „in ganz besonders egoistischer Weise über den Lebensanspruch dieses achtjährigen Kindes hinweggesetzt“, sagte Anklagevertreter Thomas Hauburger gestern im Landgericht Gießen.

Der heute 42-Jährige habe im September 1999 Johanna aus Ranstadt in der Wetterau entführt, betäubt, gefesselt und ihren Kopf mit Klebeband umwickelt, so dass sie erstickt sei. „So etwas nennt man Mord“, sagte der Staatsanwalt und forderte, wie auch die Nebenklage, eine lebenslange Freiheitsstrafe. Zudem soll das Gericht die besondere Schwere der Schuld feststellen, was eine vorzeitige Haftentlassung in den allermeisten Fällen ausschließen würde. Die Verteidigung sah dagegen einen Mann, der wegen seines Drogenkonsums „gar nichts im Griff hatte“, und plädierte auf Totschlag. Ein Strafmaß nannte der Rechtsanwalt Uwe Krechel nicht, will für seinen Mandanten aber eine Unterbringung in einer Entzugsklinik erreichen.

Auch Johannas Mutter Gabriele Bohnacker ergriff als Nebenklägerin das Wort und berichtete, mit den Tränen kämpfend, wie die Tat ihre Familie und Freunde über all die Jahre belastet habe. „Der Schmerz vergeht nicht.“ Noch immer sehe sie ihre Tochter vor sich und frage sich, wie wohl ihr Leben verlaufen wäre. Staatsanwalt Hauburger warf dem angeklagten Deutschen vor, dem Gericht „ein schlecht erzähltes Märchen“ mit immer neue Varianten zum Tatablauf aufgetischt zu haben. Der 42-Jährige hatte zu Beginn des Prozesses zugegeben, Johanna nach dem Konsum von Drogen entführt zu haben. Er bestritt aber den angeklagten sexuellen Missbrauch und auch einen Mord. Den Tod des Mädchens stellte er als Unfall dar. Laut Staatsanwalt hatte der Angeklagte 15 Meter Klebeband in 29 Lagen um Johannas Kopf gewickelt. Dadurch sei sie erstickt. Er sah zwar weiterhin Hinweise auf einen Missbrauch, ging aber nur noch von einem Versuch aus.

Angeklagter sagt wenig

Die Nebenklage war sich dagegen sicher, dass sich der Mann an Johanna vergangen hatte. Rechtsanwalt Dietmar Kleiner warf ihm zudem fehlende Empathie vor. Nach den Stunden der deutlichen Worte konnte schließlich der Angeklagte seine letzten Worte an das Gericht richten – machte es aber kurz. Angesichts des Leids, das er verursacht habe, könne alles, was er zu sagen hätte, nur „lächerlich“ klingen, sagte er. Das Urteil soll am 19. November verkündet werden.