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Kriminalität Frankfurt reagiert mit mehr Polizeipräsenz und nächtlichem Aufenthaltsverbot am Opernplatz auf Krawalle vom Wochenende

„Stadt wird zu keiner Festung“

Archivartikel

Frankfurt.Mit mehr Polizeipräsenz und weiteren Maßnahmen will die Stadt Frankfurt am Main verhindern, dass aus nächtlichem Feiern Krawalle werden. Als Reaktion auf die Randale am vergangenen Wochenende auf dem Opernplatz an der Alten Oper sollen nicht nur dort, sondern im gesamten Stadtgebiet mehr Polizisten im Einsatz sein. Der Platz selbst darf in den Nächten zu Samstag und Sonntag ab Mitternacht nicht mehr betreten werden. Zwischen 1.00 und 5.00 Uhr gilt dort zudem ein generelles Aufenthaltsverbot. Absperrgitter, um Feiernde fernzuhalten, werden laut Polizei jedoch nicht aufgestellt.

Frankfurts Vize-Polizeipräsident Walter Seubert hatte am Donnerstag angekündigt, „mit starken Polizeikräften an zahlreichen Orten“ im Einsatz zu sein. „Wir wollen Frankfurt aber nicht zu einer Festung machen.“ Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wollten sich Freitagnacht zusammen mit den zuständigen Dezernenten sowie Polizeipräsident Gerhard Bereswill ein Bild von der Lage am Opernplatz machen.

39 Menschen festgenommen

Zu den Maßnahmen gehört auch, den in der Corona-Krise zum Party-Hotspot gewordenen Platz nach Mitternacht hell zu erleuchten. Möglichen Randalieren wollen die Beamten zudem durch die Stadt folgen, um so die Verlagerung von Krawallen auf andere Plätze zu verhindern. Notfalls sollen Platzverweise ausgesprochen werden.

In der Nacht zum vergangenen Sonntag waren rund um den Opernplatz nach Polizeiangaben Einsatzkräfte aus der Menge mit Flaschen angegriffen worden. Mindestens fünf Beamte wurden demnach verletzt und mehrere Polizeifahrzeuge beschädigt. Polizisten nahmen 39 Menschen vorübergehend fest. 27 von ihnen haben den Angaben zufolge die deutsche Staatsbürgerschaft, zwölf eine andere.

Oberbürgermeister Feldmann sprach sich in der „Bild“ vom Donnerstag für ein entschiedenes Vorgehen aus: „Das Gewaltmonopol liegt richtigerweise beim Staat. Wenn dies von einigen in Frage gestellt wird, muss die Staatsmacht die Grenzen aufzeigen.“ Er sei dafür, lieber jetzt mehr Polizeipräsenz zu haben als später über zu wenig zu klagen. Frankfurt dürfe keine Stadt für Krawall-Tourismus werden.

Nachwuchs fehlt

Indes gibt es in der hessischen Polizei nach Gewerkschaftsangaben derzeit Probleme, Ausbildungsplätze zu besetzen. Bilder wie jüngst am Opernplatz oder in Stuttgart, zunehmende Angriffe auf Einsatzkräfte und Pöbeleien gegen Polizisten hätten natürlich Auswirkungen, sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Hessen, Peter Wittig. Vor 10, 15 Jahren hat man sich Wittig zufolge noch keinen Kopf um Gewalt gemacht. Mittlerweile gebe es aber auch Ratschläge von Eltern, die Polizisten sind: „Mach das lieber nicht.“

Aber auch die Einstellungsvoraussetzungen und die unterschiedlichen Besoldungen innerhalb der Polizeien in Deutschland seien ein Grund. Die eigentlich zum September erhofften rund 500 Neueinstellungen werde man nicht erreichen. „Wenn wir bis dahin bei 400 angekommen sind, ist das schon gut“, sagte Wittig. „Wir hinken ein bisschen hinterher.“

In Hessen können nach Angaben des Innenministeriums 2020 insgesamt bis zu 1100 Stellen besetzt werden. Einstellungstermine sind im Februar und im September. Die Zahl der zu besetzenden Stellen hat sich in den vergangenen zehn verdoppelt. Ausgewählt wird heute nur noch für den gehobenen Dienst. „Hierfür studieren die Polizeianwärterinnen und -anwärter an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung und müssen alle als Zulassungsvoraussetzung über eine Hochschulzugangsberechtigung wie beispielsweise Abitur, Fachabitur verfügen“, teilte das Ministerium mit. lhe