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Kommunen Mit verschiedenen Strategien wird auf Abfall hingewiesen / Bußgelder und spezielle Kontrollen

Städte kämpfen gegen Zigarettenmüll

Archivartikel

Mainz/Wiesbaden.„Littering“ – dieses Phänomen beschäftigt viele Städte in den Nachbarbundesländern Rheinland-Pfalz und Hessen. Es geht um das achtlose Wegwerfen von Coffee-to-go-Bechern, Pizzakartons oder kleinen Plastikverpackungen. Aber auch Zigarettenkippen, Kaugummis und Hundekot machen den Kommunen Arbeit. In Frankfurt beispielsweise fällt nach Angaben der Entsorgungs- und Service-Gesellschaft FES pro Jahr eine Müllmenge von rund 293 000 Tonnen an. Drei Prozent davon stammen aus Papierkörben oder sind Straßenkehricht.

Seit Anfang dieses Jahres patrouillieren in Wiesbaden zusätzlich zu den Routinekontrollen einmal die Woche Mitarbeiter des Ordnungsamtes in zivil. Sie sollen Raucher aufspüren, die ihre Zigarettenkippen auf den Gehweg schnippen. „Wir rennen aber niemandem hinterher“, erklärt Ralf Wagner von der Stadtpolizei. Die Mitarbeiter seien an Bushaltestellen oder auf dem Markt und vor Parkhäusern unterwegs. „Es gibt noch kein Unrechtsbewusstsein“, findet Wagner. Das wolle die Stadt ändern – und so sauberer werden.

Wiesbaden erhebt 50 Euro

Wer dabei erwischt wird, seine Zigarette auf den Boden zu werfen, muss in der hessischen Landeshauptstadt mit einem – vergleichsweise hohen – Bußgeld von 50 Euro rechnen. Dazu kommt eine Verwaltungsgebühr von rund 28 Euro. Im vergangenen Jahr gab es Wagner zufolge bereits 185 derartige Bußgeldverfahren. Die verstärkten Kontrollen seien nur möglich, weil das Personal auf nun 80 Mitarbeiter angewachsen sei.

Wie viele Zigarettenstummel auf dem Boden landen, wird in den Städten nicht genau erfasst. „Die Kippen wiegen nicht viel, so dass sie für die Tonnage keine große Relevanz haben“, erläutert Susanne Schierwater vom Umweltdezernat der Stadt Frankfurt. Auch gezählt werde die einzelne Kippe natürlich nicht. Schierwater schätzt, dass acht von zehn Zigaretten nicht im Müll, sondern in den Grünanlagen oder auf den Straßen landen. Ihre giftigen Inhaltsstoffe wie Nikotin sickerten in den Boden und ins Wasser.

In Frankfurt seien zwar täglich Mitarbeiter unterwegs, die auch ein Auge auf Raucher hätten, eine „Kippenstreife“ sei jedoch nicht geplant, so ein Sprecher des Ordnungsamtes. Für das Wegwerfen einer Zigarette habe es von Januar bis November 2019 insgesamt 19 Anzeigen gegeben. Wer erwischt wird, muss 30 Euro plus Verwaltungsgebühr zahlen. Die Stadt versucht außerdem mit „Recigs“ dem Stummel-Problem Herr zu werden. Die kastenförmigen Behälter hängen etwa im Frankfurter Bahnhofsviertel oder in den Stadtteilen Bockenheim und Sachsenhausen. lhe