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Verkehr In Hessen beginnen am Freitag die Sommerferien / Dauerbaustellen verärgern viele Autofahrer

Stau und Stress statt Liegestuhl

Archivartikel

Kassel/Hannover.Zum Ferienbeginn am Freitag in Hessen warnt der ADAC vor den größten Staufallen auf deutschen Autobahnen. Die befinden sich unter anderem auf der A5, der A3 – und auf der Autobahn 7. Denn auf der wichtigen Nord-Süd-Verbindung reiht sich seit Jahren eine Baustelle an die nächste. Besserung ist nicht in Sicht.

„Aufgrund ihrer Bedeutung als überregionale Transit-Achse und des damit verbundenen hohen Verkehrsaufkommens kommt es auf der A7 häufig zu Staus“, sagt Oliver Reidegeld vom ADAC Hessen-Thüringen. Schon ein kleiner Auffahrunfall könne zu Verzögerungen führen.

Zusätzlich ist die Autobahn seit Jahren Dauerbaustelle – vor allem in Niedersachsen: Sieben Baustellen mit einer Gesamtlänge von 46,4 Kilometern gebe es zur Hauptreisezeit, erklärt Niedersachsens Straßenbaubehörde. Die längsten liegen zwischen Mellendorf und Schwarmstedt mit 10,6 sowie zwischen Nörten-Hardenberg und Nordheim mit 8,5 Kilometern. In Hessen sind die Baustellen kürzer, aber fast genauso zahlreich: An sechs Stellen auf der A7 wird gearbeitet, 12,8 Kilometer sind es insgesamt.

Das kleinere Übel

Fahrbahnverengungen und Tempolimits in den Baustellen verlängern die Reisezeit. Doch laut Behörden sind lange Baustellen das kleinere Übel. Denn die Einrichtung des Baustellenverkehrs mit Markierungen, Schutzwänden und Umleitungen brauche langen Vorlauf, verursache hohe Kosten sowie erhebliche Verkehrsbehinderungen. Statt immer wieder kleine Baustellen einzurichten, wird deshalb längerfristig geplant und abgesperrt. Zudem werde über freie Flächen die Baustellenlogistik abgewickelt, erklärt das hessische Verkehrsministerium. In Hessen versuche man zudem trotz Baustelle bei längerfristigen Arbeiten alle Fahrspuren offen zu behalten.

Auch der Automobilclub steht hinter diesem Konzept: Es sei nicht sinnvoll, die Baustelle jedes Mal abzubauen und anschließend zu versetzen, sagt ADAC-Sprecher Reidegeld. Zudem lasse sich für Autofahrer oft gar nicht nachvollziehen, warum auf einem Teilstück gerade nicht gearbeitet wird. Dabei kann es dafür gute Gründe geben wie Trocknungszeiten des Asphalts. Auch Pannen und Pfusch gibt es. Zwischen Salzgitter und Bockenem werden derzeit die Seitenbereiche der A7 saniert, weil auf einem zwölf Kilometer langen Abschnitt eine krebserregende Chemikalie gefunden wurde. Ursache sollen Fehler bei Arbeiten in den Jahren 2011 bis 2014 sein. Bei der Staatsanwaltschaft Hildesheim läuft deswegen bis heute ein Verfahren.

Doch solche Fälle seien Ausnahmen, heißt es auch beim ADAC. Die meisten Arbeiten sind einfach nötig. „Stark befahrene Autobahnen wie die A7 müssen regelmäßig instandgesetzt werden“, erklärt Sprecher Reidegeld. Zudem sei jahrelang zu wenig in die Infrastruktur investiert worden. „Auch hat der Güterverkehr in den letzten Jahren massiv zugenommen – vor allem Brücken werden davon stark belastet“, sagt er.

Hessen und Niedersachsen investieren daher kräftig: Im laufenden Jahr sind es zusammen 137 Millionen Euro allein für die A7. Die wichtige Nord-Süd-Verbindung wird Dauerbaustelle bleiben. Die Arbeiten im Bereich der A7 bei Kassel sollen beispielsweise erst 2022 beendet werden. Nach den Sommerferien entsteht am Dreieck Drammetal bei Göttingen eine neue Baustelle.

Auf der A66 zwischen Wiesbaden-Erbenheim und Wiesbaden-Biebrich wird eine Brücke bis 2024 neu gebaut. Auf der A3 am Wiesbadener Kreuz sind Arbeiten bis 2021 vorgesehen. Auf der A 3 wird noch bis Oktober 2019 gearbeitet und auf der A5 am Nordwestkreuz Frankfurt gibt es noch bis 2021 eine Baustelle.