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Grundschule Statt 30. September gilt künftig der 30. Juni als Grenze / Platzmangel in Kindergärten befürchtet

Stichtag für Erstklässler wird in drei Stufen vorverlegt

Archivartikel

Stuttgart.Der Stichtag für die Einschulung der Erstklässler in Baden-Württemberg wird in Stufen vom 30. September auf den 30. Juni vorverlegt. „Wir halten eine zeitlich gestaffelte Stichtagslösung für sinnvoll“, teilte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Mittwoch mit. Für den Städtetag begrüßte Vorstandsmitglied Gudrun Heute-Bluhm den Kompromiss: „Die drei Stufen sind eine gute Idee.“ Vor dem Treffen hatten die Kommunalverbände gewarnt, bei der Verschiebung auf einen Schlag „könnte sich kurzfristig ein zusätzlicher Platzbedarf für bis zu 20 000 Kinder in den Betreuungseinrichtungen ergeben“.

Schon im Juli hatte der Bildungsausschuss des Landtags mit breiter Mehrheit von Grünen, CDU, SPD und FDP die Rückkehr auf die bis 2007 geltende Altersgrenze für die Einschulung beschlossen. Damit wurde das Anliegen einer Elterninitiative aufgenommen, die in einer Online-Petition 21 500 Unterschriften gegen die „Früheinschulung“ mit nur knapp sechs Jahren gesammelt hatte.

Eisenmann hatte sich im Sommer an die Spitze der Bewegung gesetzt und für die Rückkehr bereits im Schuljahr 2020/21 plädiert. Heute-Bluhm kritisierte, dass die Landespolitik die Kommunen damals nicht einbezogen hatte: „Die Ausgangsbasis war etwas unglücklich.“ Das Land hatte nicht bedacht, dass bei einer späteren Einschulung entsprechend mehr Kinder länger in den Kitas betreut werden müssen. Nun sagt die CDU-Ministerin: „Wir wollen diese Änderung lieber gut umsetzen als so schnell wie möglich.“

Streit um konkrete Zahlen

„Wir rechnen mit einer hohen Nachfrage“, sagte Heute-Bluhm im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie beharrte auf der Annahme, dass es „20 000 potenziell betroffene Vorschulkinder sind“. Eisenmann geht von ganz anderen Annahmen aus. Momentan würden im Südwesten 26 000 Kinder zwischen dem 1. Juli und dem 30. September geboren. Davon seien im gerade beendeten Schuljahr 2018/19 rund 6100 Kinder zurückgestellt worden. Die Zahlen der Kommunen würden faktisch bedeuten, dass alle später eingeschult werden: „Diese Zahl ist maßlos übertrieben.“ Die Erfahrungen anderer Länder würden zeigen, dass der Anteil der später eingeschulten „Korridorkinder“ sehr viel geringer sei.

Die neue Regelung sieht vor, dass Eltern weiterhin zwischen Juli und September geborene Kinder für die Grundschule anmelden können. Substanziell ändere sich durch die Reform also nichts. Ohne Zutun der Eltern ordnen die Schulämter die Kinder in diesem Korridor allerdings dem folgenden Schuljahr zu.

Die Stadt Mannheim geht davon aus, dass durch die Verschiebung des Stichtags 650 Kinder ein weiteres Jahr im Kindergarten bleiben. Das wären nach Angaben einer Sprecherin 32 zusätzliche Gruppen, für die im ersten Jahr Kosten von neun Millionen Euro anfallen würden. Andere Städte kommen zu entsprechenden Zahlen.

In Baden-Württemberg werden jährlich knapp 100 000 Kinder eingeschult. Über die Zurückstellung entscheiden bisher die zuständigen Grundschulrektoren. In der Petition war der Vorwurf formuliert, dass dabei „nicht selten Faktoren wie Klassenteiler, Finanzen und Lehrkräfte eine ausschlaggebende Rolle spielen“. Allerdings wurden vor dem letzten Schuljahr von den 6122 Anträgen für Kinder, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre wurden, nur 153 abgelehnt.

Heute-Bluhm drängte zu einer schnellen Klärung der noch offenen Fragen. „Die Kindergärten müssen sich auf die neue Lage einstellen.“ Wenn die Gruppen nach den Sommerferien gebildet werden, müsse klar sein, welche Kinder ein Jahr später in die Schule gehen. Deshalb sei vereinbart, dass das Kultusministerium bis Ende September Klarheit schaffen soll. Etliche Städte und Gemeinden könnten schon jetzt nicht alle Kinder aufnehmen, vor allem weil Erzieherinnen fehlen. „Wir können uns die Fachkräfte nicht backen“, warnte sie. Die Zahl der zu betreuenden Kinder gehe nicht zurück.

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