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Kultur Hessen hilft soloselbstständigen Künstlern / 50-Millionen-Programm soll Übergang in der Corona-Zeit sichern

Stipendien statt Soforthilfe

Wiesbaden.Vergangene Woche wurde im Hessischen Landtag noch über ausstehende Hilfe für Kulturschaffende gestritten. Am Montag hat die zuständige Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) ein umfassendes Konzept vorgelegt: Mit insgesamt rund 50 Millionen Euro will die Landesregierung damit nicht nur den besonders gebeutelten Soloselbstständigen aus Kunst und Kultur helfen, sondern auch den Veranstaltern der vielfach abgesagten Theater-, Musik- und sonstigen Festivals. Kernstück der Hilfsmaßnahmen aber ist die finanzielle Unterstützung für Künstler und Kultureinrichtungen bei der Umstellung auf neue Konzepte in der Corona-Zeit.

Die Ministerin kritisierte, dass der Bund nicht auf die Forderungen von Länderseite eingegangen ist, die Soforthilfe auch für die Bestreitung des Lebensunterhalts von Kulturschaffenden ohne Aufträge einzusetzen. Sie dürfen das Geld nur für nicht gedeckte Betriebskosten bekommen, die aber bei vielen Betroffenen nur in sehr geringer Höhe oder gar nicht anfallen. Als Ersatz dafür bietet ihnen die Landesregierung jetzt Arbeitsstipendien mit einer Einmalzahlung von 2000 Euro an. Um die ab 1. Juni bei der Hessischen Kulturstiftung zu beantragen, müssen die Soloselbstständigen aber zwei Voraussetzungen erfüllen: Zum einen müssen sie in der Künstlersozialkasse versichert sein, was laut Dorn in Hessen auf 12 000 Freiberufler zutrifft. Und zum anderen müssen sie für ihr Vorhaben eine kurze Projektskizze einreichen.

Dorn betonte aber, die Hilfe solle schnell und unbürokratisch ausgezahlt werden. Zudem bekämen die Betroffenen die Möglichkeit, ihre Projekte in einem digitalen Schaufenster zu präsentieren. Zudem habe die Bundesagentur für Arbeit zugesagt, das Geld nicht auf die Grundsicherung anzurechnen, die Kulturschaffende in einem vereinfachten Verfahren beantragen konnten. Daniela Sommer von der SPD kritisierte, dass die hessische Hilfe im Vergleich zu anderen Bundesländern spät komme, doch habe Dorn heute immerhin einen Anfang gemacht. Der FDP-Abgeordnete Stefan Naas sagte, Arbeitsstipendien seien schön und gut, die Soloselbstständigen müssten aber für die Einnahmeausfälle entschädigt und nicht mit Almosen abgespeist werden. Linken-Fraktionschefin Janine Wissler nannte 2000 Euro nicht existenzsichernd, auch blieben erneut Betroffene außen vor, wenn sie nicht der Künstlersozialkasse angehörten.

„Kunst und Kultur unverzichtbar“

Ministerin Dorn betonte, auch in der Krise seien Kunst und Kultur kein Luxus oder Sahnehäubchen, sondern unverzichtbar für eine offene und kreative Gesellschaft. Das Programm mit dem Motto „Hessen kulturell neu eröffnen“ gliedert sich in die drei Phasen „Sofort helfen“, „Übergang meistern“ und „Innovativ neu eröffnen“. Zur Soforthilfe gehört vor allem eine Unterstützung von Kulturfestivals, die der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen sind. Die Förderung richtet sich nach dem durchschnittlichen Verkauf von Eintrittskarten in den vergangenen drei Jahren und beträgt 2,50 Euro pro Ticket bei öffentlich getragenen Festivals und fünf Euro bei Festivals gemeinnütziger Vereine oder privater Veranstalter. Obergrenze sind 500 000 Euro pro Festival.

Die zweite Phase zur Meisterung des Übergangs betrifft Arbeitsstipendien für Soloselbstständige, auf die laut Dorn 23 der 50 Millionen Euro aus dem Nachtragshaushalt entfallen. Als Ziel der Hilfe für die dritte Phase der Neueröffnung nannte sie, Künstler und Kulturveranstalter dabei zu unterstützen, „Brücken in die Zeit nach der Pandemie zu bauen“. Geplant ist etwa ein Fonds zur Förderung beispielsweise baulicher Veränderungen von Kinos, Theater und anderen Spielstätten für neue Formate mit einem Pauschalbetrag von je 18 000 Euro ab voraussichtlich 1. August. Hinzukommen Projektstipendien für 250 freie Gruppen über je 18 000 Euro und für 1000 Einzelkünstler in Höhe von je 5000 Euro. Eine Expertenjury entscheidet über die Projekte.