Länder

Bildung Petition fordert für Präsenzbetrieb besseren Schutz an den Einrichtungen / Abstand zu Schülern wegen Pflegebedürftigkeit oft nicht haltbar

Streit um Öffnung der Förderschulen

Stuttgart.Die Schulen in Baden-Württemberg sind Corona-bedingt geschlossen? Nicht ganz. Für die landesweit 571 sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) mit ihren rund 52 000 Schülern gilt das nicht. An den SBBZ mit Schwerpunkt geistige Entwicklung sowie körperliche und motorische Entwicklung wird seit Montag wieder vor Ort unterrichtet. Die anderen könnten am kommenden Montag folgen – trotz des lautstarken Protests eines Teils der Lehrkräfte.

Diese fürchten um die Gesundheit der Kinder und um ihre eigene, weil die Abstands- und Hygieneregeln im SBBZ-Alltag häufig nicht eingehalten werden können und zudem viele Kinder zu besonderen Risikogruppen gehören. „Schulöffnungen am SBBZ nur, wenn der Gesundheitsschutz gewährleistet ist“, fordert auch eine Online-Petition auf der Plattform Petitionen.com, die bis Dienstagnachmittag von knapp 10 000 Unterstützern gezeichnet war. Darin fordern die fünf Initiatoren, allesamt an SBBZ beschäftigt, effektive Schutzausrüstungen, Schnelltests, eine sichere Schülerbeförderung, die Möglichkeit zu Wechselunterricht bei hohen örtlichen Inzidenzzahlen sowie eine vorrangige Impfung.

Enorme Betreuungsprobleme

In einem öffentlichen Schreiben haben sie sich zudem bereits in der vergangenen Woche an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) gewandt. „Es gibt viele Argumente für den Präsenzunterricht an unserer Schulart“, heißt es darin, „allerdings gibt es auch viele Argumente dagegen.“ Abstand zu Schülern zu halten, sei etwa bei Pflegetätigkeiten wie Wickeln, Essenreichen und Anziehen unmöglich. „Im Gegensatz zu Pflegekräften im Krankenhaus steht uns dafür aber keine entsprechende Schutzausrüstung zur Verfügung.“

Auch der Unterricht erfordere an vielen Stellen direkte, körpernahe Zuwendung. Viele Kinder könnten kaum die Regeln beim Husten oder Niesen einhalten, die Hände waschen und Masken tragen.

Das Kultusministerium verweist darauf, dass Eltern vor enormen Betreuungsherausforderungen stünden. „Mit Blick darauf haben wir entschieden, dass diese Kinder seit Montag wieder in die Schule kommen können“, teilt das Ministerium auf Anfrage mit. Zudem seien diese Kinder auf klare und regelmäßige Alltagsstrukturen angewiesen. Die SBBZ seien bereits vorrangig mit Schutzausstattung wie FFP2-Masken, Einmalhandschuhen und Schutzkleidung ausgestattet worden, weitere Lieferungen sollen folgen. Zudem sei die Präsenzpflicht ausgesetzt – Eltern stehe es frei, ihre Kinder zum Unterricht zu schicken.

Einhellig ist die Unterstützung für die Petition nicht. Nancy Ohlhausen, beim Landeselternbeirat Ansprechpartnerin für die SBBZ im Regierungspräsidium Stuttgart: „Sowohl seitens der Lehrkräfte und des sonstigen Personals an unserem SBBZ gibt es den Tenor der Petition gar nicht.“

Zum Thema