Länder

Asyl Verbände warnen davor, dem „Weg der Bayern“ zu folgen

Strobl: Ankunft statt Anker

Stuttgart.Die Wohlfahrtsverbände im Land warnen eindringlich vor einer Einführung von Ankerzentren im Südwesten. Asylsuchende würden dort über lange Zeit „kaserniert“, was zu Gewalt und Traumatisierung führe, sagte gestern Reinhold Schimkowski von der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Stuttgart. „Solche Brennpunkte kann keiner wollen.“ Es brauche stattdessen dezentrale Konzepte. Das Land müsse am Modell der Erstaufnahmestellen festhalten, statt dem „Weg der Bayern“ zu folgen. Es gebe aber nach wie vor Kräfte im Land, die mit Ankerzentren liebäugelten. Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) bekräftigte allerdings, dass das Land mit dem Ankunftszentrum in Heidelberg bereits hervorragend aufgestellt sei. „In Baden-Württemberg arbeiten wir mit diesem Modell sehr erfolgreich, und das wollen wir auch künftig tun“, so Strobl.

Abschiebungen beschleunigen

Das Wort „Anker“ steht nicht etwa für den rettenden Hafen, sondern für An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung). Im Südwesten durchlaufen bislang in der Regel alle Asylbewerber das Ankunftszentrum Heidelberg, bevor sie auf die vier Landeserstaufnahmestellen verteilt werden. Anders als bei Ankerzentren werden nach Angaben des zuständigen Regierungspräsidiums Karlsruhe die Flüchtlinge auch bei negativem Bescheid nicht direkt von dort abgeschoben, sondern auf die Erstaufnahmestellen verteilt.

Begleitet von heftiger Kritik hatten in Bayern Anfang August die bundesweit ersten Ankerzentren die Arbeit aufgenommen. Sie sollen Asylverfahren und damit auch die Abschiebung von Migranten ohne Bleiberecht beschleunigen. Die Zentren stehen im schwarz-roten Koalitionsvertrag und sind Teil des „Masterplans Migration“ von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), die Umsetzung liegt aber bei den Ländern. Die meisten wollen vorerst nicht mitmachen.

Die Gefahr sei groß, dass das Land schleichend Ideen der Ankerzentren übernehme, ohne von Ankerzentren zu sprechen, sagte gestern Jürgen Blechinger vom Diakonischen Werk Baden. lsw