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Mobilität Landeshauptstadt zahlt bis zu 1700 Euro Zuschuss für ein Elektro-Lastenfahrrad / Ähnliche Angebote in Heidelberg und Karlsruhe

Stuttgarter sollen umsatteln

Stuttgart.Wer lange nicht in Stuttgart war, reibt sich in diesem Sommer die Augen: Wo kommen plötzlich die vielen Elektro-Lastenfahrräder in der Stadt her, mit denen Kinder und Einkäufe transportiert werden? Möglich machen den Boom der Fahrräder mit den großen Ladeflächen eine randvolle Haushaltskasse der Landeshauptstadt und ein Förderprogramm für Stuttgarter Familien, in das die Stadt voraussichtlich innerhalb von vier Jahren rund zwei Millionen Euro Fördersumme steckt.

Was zunächst 2018 als kleiner Haushaltsposten begann, hat sich binnen kürzester Zeit zum Absatzschlager entwickelt. „Wir haben am 1. Oktober mit 250 000 Euro Fördersumme angefangen. Und innerhalb von vier Wochen war das Programm doppelt überzeichnet“, sagt Ralf Maier-Geißer, der im Stab des OB das Projekt „Nachhaltig mobil in Stuttgart“ leitet. „Der Gemeinderat hat dann auf 428 000 Euro erhöht, damit alle, die bis zum Stichtag Ende Oktober den Antrag gestellt hatten, auch Geld bekommen – das waren 252 Familien.“ Gleichzeitig beschloss der Gemeinderat eine Neuauflage für 2019.

Hälfte bereits vergeben

Von den 500 000 Euro ist seit dem Start im März derzeit bereits über die Hälfte vergeben. Auch für 2020/21 will eine Gemeinderats-Mehrheit jeweils eine halbe Million Euro zur Verfügung stellen, im Herbst wird darüber beraten.

Einmalig den Zuschuss beantragen kann jede Stuttgarter Familie mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt. 1200 Euro gibt es bei Kauf oder Leasing eines sogenannten „E-Cargo-Bikes“ sofort. Weitere 500 Euro „Nachhaltigkeitsbonus“ gibt es nach drei Jahren, wenn im Haushalt in dieser Zeit kein Auto angemeldet war oder ein Auto ersatzlos abgemeldet wurde.

Außerdem müssen die Familien sich verpflichten, das geförderte Rad mindestens drei Jahre lang selbst zu nutzen und nicht zu verkaufen. „Es soll ja kein Schwarzmarkt mit den geförderten Rädern entstehen“, sagt Maier-Geißer. Bei Anschaffungskosten ab etwa 2500 Euro aufwärts bis über 5000 Euro – je nach Modell und Ausstattung des Elektro-Lastenfahrrades – ist das ein satter Zuschuss, den vor allem Familien mit kleineren Kindern gerne in Anspruch nehmen.

Mittlerweile sind auch schon andere Städte im Südwesten auf das Programm aufmerksam geworden. „Karlsruhe wird das Förderprogramm eins zu eins übernehmen“, sagt Maier-Geißer – und auch Tübingen hat sich bereits in Stuttgart über das Konzept informiert.

Heidelberg hat schon 2018 eine Förderung für Elektro-Lastenräder eingeführt: Die Stadt erstattet bis zur Hälfte des Anschaffungspreises – allerdings maximal 500 Euro. Bis Anfang August haben nach Auskunft der Stadt 51 Bürger dieses Angebot in Anspruch genommen.

Auch Leihe möglich

Neben der Subventionierung bei der Anschaffung stehen in Stuttgart mittlerweile auch E-Lastenräder im Rahmen des Regio-Radverleihs zur Verfügung. Für Handel und Gewerbe gibt es daneben über ein landesweites Förderprogramm des Verkehrsministeriums ebenfalls bares Geld für die Anschaffung eines E-Lastenrads.

Parallel dazu soll in ganz Stuttgart in den nächsten Jahren die Radinfrastruktur markant verbessert werden. Die Ausgaben dafür von derzeit zwölf Euro pro Bürger und Jahr sollen langfristig auf bis zu 40 Euro steigen. Allein 20 Millionen Euro hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) dafür in dem 200-Millionen-Euro-Klimaschutzpaket reserviert, das er Ende Juli durch den Gemeinderat brachte. Das ist auch dringend nötig.

Denn sichere und durchgängige Radwege muss man in der Daimler- und Porschestadt nach wie vor mit der Lupe suchen. Auf nicht einmal ein Dutzend gesicherter und baulich getrennter Radweg-Kilometer in Stuttgart kommt etwa die Initiative Radentscheid in Stuttgart. Die allermeisten der von der Stadt selbst mit 190 angegebenen Radweg-Kilometer sind lediglich von verkehrsreichen Autostraßen abgezwackt und farblich markiert – und viele enden unvermittelt im Nichts. (mit mics)

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