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Feuer in Walldürn Wahrscheinlich lösen von Pilgern aufgestellte Kerzen Brand der Lourdes-Grotte aus

Suche nach Ursache beginnt

Walldürn."Meist stehen dort Grablichter mit Hülle. Und jeden Abend wird kontrolliert, ob alles in Ordnung ist", erklärte Eleonore Klingenberger vom Gemeindeteam der Seelsorgeeinheit Walldürn. Weshalb gestern Morgen ein Feuer die Kapelle mit der Lourdes-Grotte im Wallfahrtsort Walldürn (Neckar-Odenwald-Kreis) völlig zerstört hat, kann aber auch sie sich nicht erklären. Ungeschützte Kerzen seien in dem Gebäude nämlich schon länger verboten.

Mehrere Ministranten, die sich in den Vorbereitungen für den bevorstehenden Wallfahrtstag befanden, hatten den Brand kurz vor 7 Uhr bemerkt und sofort die Feuerwehr verständigt. Auch mehrere aufmerksame Anwohner wählten nahezu zeitgleich den Notruf. Als Feuerwehrkommandant Sascha Dörr auf dem Wallfahrtsplatz eintraf, schien das Feuer noch beherrschbar. Bis er die am Hang gelegene Kapelle erreicht hatte, stand das Gebäude jedoch völlig in Flammen. "Innerhalb von drei, vier Minuten hat sich das rasant ausgebreitet", schilderte Dörr.

Heiligenfigur verbrannt

Das Inventar der Kapelle ist nahezu vollständig verbrannt. Während die Holzbänke ersetzt werden können, sind mehrere Hundert Gedenktafeln von Pilgern und eine Holzfigur der Heiligen Bernadette unwiederbringlich verloren. Die Madonnen-Statue aus Gips in der Grotte ist rußgeschwärzt. Ob sie restauriert werden kann, ist noch unklar. "Bei den Gedenktafeln sprechen wir von einem ideellen Wert", sagte Helmut Hotzy, Hauptamtsleiter der Stadt Walldürn und stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats der Pfarrgemeinde St. Georg, auf Anfrage dieser Zeitung. "Sakrale Wertgegenstände befanden sich nicht in der Kapelle."

Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der vierwöchigen Hauptwallfahrtszeit hat der Brand nicht. "Da gibt es überhaupt keine Einschränkungen", so Hotzy. Aus Sicherheitsgründen haben Mitarbeiter des städtischen Bauhofs das Gelände um die Kapelle mit einem Bauzaun abgesperrt. Hanno Roters vom Erzbischöflichen Bauamt Heidelberg verschaffte sich noch gestern einen ersten Überblick über das Ausmaß des Schadens. Inwiefern die Statik des Gebäudes in Mitleidenschaft gezogen wurde, kann aber auch er erst sagen, wenn die Polizei die Absperrung aufgehoben hat.

Um der Ursache für den Brand auf die Spur zu kommen, untersuchten Beamte des Polizeipostens Walldürn das Gebäude. Hinweise auf Brandstiftung gibt es bisher keine. Wahrscheinlicher erscheinen Kerzen als Auslöser. Seit Beginn der Wallfahrt am 11. Juni hatten Pilger Hunderte zumeist Öllichter auf dem Boden der Kapelle aufgestellt. Die Polizei prüft deshalb, ob die Kerzen vielleicht zu dicht beieinanderstanden oder das heiße Wetter eine Rolle gespielt haben könnte.

Vor zehn Jahren war die Kapelle umfangreich saniert worden und hatte ein neues Dach erhalten. Spätestens bis zum Beginn der Wallfahrt 2018 soll sie wieder aufgebaut sein und den Pilgern einen Rückzugsort bieten.