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Bertelsmann Stiftung Betreuungsquote in Baden-Württemberg besser als empfohlen /Qualität hängt von Wohnorten ab

Südwesten bei Kita-Studie vorn

Archivartikel

Stuttgart.Eine neue Studie bescheinigt Baden-Württemberg eine überdurchschnittliche Personalausstattung in den Kitas – allerdings mit großen Schwankungen innerhalb des Landes. Zum 1. März 2017 kamen in den Kindergärten im Schnitt 7,1 Kinder auf eine Fachkraft. „Damit sind in Baden-Württemberg die Personalschlüssel im Kindergartenbereich besser als die Empfehlungen der Bertelsmann-Stiftung und erreichen bundesweit den besten Wert“, teilte die Bertelsmann-Stiftung gestern in Gütersloh mit. Auch in den Krippen erreiche das Land im bundesweiten Vergleich ein Spitzenverhältnis von durchschnittlich 3,1 Kindern je Fachkraft. Unter den Begriff Kita werden Krippen für Kinder unter drei Jahren sowie Kindergärten für Kinder ab drei Jahren gefasst.

Innerhalb Baden-Württembergs gebe es allerdings ein Qualitätsgefälle zwischen den Wohnorten. „So liegt der Personalschlüssel im Krippenbereich im Landkreis Göppingen bei 1 zu 2,6, in Mannheim hingegen bei 4,0“, schreiben die Wissenschaftler. Sie raten hier zu einem Betreuungsverhältnis von 1 zu 3. Groß sind auch die Spannbreiten bei der Betreuung in den Kindergärten. „Während in Karlsruhe 6,2 Kinder von einer Fachkraft betreut werden, sind es im Landkreis Tuttlingen 8,4 Kinder.“ Die Fachleute empfehlen hier ein Betreuungsverhältnis von 1 zu 7,5.

Wenn Baden-Württemberg diese Spannweite in den Kitas verringern und allen Kindern die gleiche Betreuungsqualität anbieten wolle, fehlten rund 1141 Fachkräfte. „Diese einzustellen würde knapp 51 Millionen Euro jährlich kosten.“ Zudem regen die Wissenschaftler an, alle Kitas mit einer vollzeitbeschäftigten Leitung auszustatten. Bislang haben diese nur elf Prozent der Kitas im Südwesten. Zusätzlich sollten 3971 vollzeitbeschäftigte Kräfte eingestellt werden. Die Kosten beziffert die Bertelsmann-Stiftung auf jährlich rund 230 Millionen Euro.

Land will Bildung fördern

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte, das Land wolle die frühkindliche Bildung weiter verbessern und dazu auch Geld in die Hand nehmen. In diesem Herbst sollen nach ihren Worten die Verhandlungen über Details mit den kommunalen Landesverbänden, den freien Trägern und der Kindertagespflege beginnen. Um die Zahl der Fachkräfte zu erhöhen, will das Land den Einrichtungsträgern für einen befristeten Zeitraum eine Ausbildungspauschale von 100 Euro pro Platz und Monat zahlen. Auch die Leitung von Kitas soll finanziell unterstützt werden – allerdings mit Bundesmitteln, die laut Eisenmann noch verhandelt werden müssen.

Kinder von Tagesmüttern versorgt

In Baden-Württemberg gibt es nach Angaben des Ministeriums 8792 Kindertageseinrichtungen. Darin betreut wird fast jedes vierte Kind unter drei Jahren. Im Alter von drei bis sechs Jahren beträgt die Betreuungsquote – also der Anteil der Kinder in den Kitas an allen Kindern der Altersgruppe – fast 95 Prozent. Hinzu kommen Kinder, die von einer Tagesmutter betreut werden.

Rheinland-Pfalz auf Platz Drei

Der Stiftungsvorstand von Bertelsmann, Jörg Dräger, sagte: „Bund und Länder sollten sich in den anstehenden Verhandlungen zum Gute-Kita-Gesetz auf eine Verbesserung der Personalschlüssel und Leitungsausstattung konzentrieren.“ Es gebe aber keine Bestrebungen, bundesweit einheitliche Qualitätsstandards für Kitas festzulegen. Dabei könnten gleiche Bildungschancen für alle Kinder und faire Arbeitsbedingungen für die Fachkräfte nur so sichergestellt werden. Rheinland Pfalz liegt bundesweit auch weit vorn. Eine bessere Betreuung von Krippenkindern gibt es der Studie zufolge nur in Baden-Württemberg und Bremen. Auf eine Fachkraft entfielen zum Stichtag am 1. März vergangenen Jahres 3,5 Kinder unter drei Jahren. 2012 lag dieses Verhältnis bei 1 zu 4,0. Bei Kindern über drei Jahren liegt Rheinland-Pfalz in der Personalausstattung der Kitas bundesweit auf Platz acht. Auf eine Erzieherin kommen durchschnittlich 8,6 Kinder. Das ist wie bei den Krippenkindern derselbe Wert wie ein Jahr zuvor.

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