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Soziales Betreuungspersonal verlangt bessere Bedingungen und höhere Bezahlung / CDU unterstützt das Anliegen

Tageseltern wollen mehr Geld

Archivartikel

Stuttgart.In der grün-schwarzen Landesregierung gibt es Diskussionen darüber, die Situation der knapp 6700 Tageseltern in Baden-Württemberg zu verbessern. Diese betreuen im Südwesten mehr als 22 000 Kinder und fordern schon lange eine höhere Bezahlung und bessere Rahmenbedingungen. CDU-Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, er mache sich für die Wahlfreiheit zwischen den klassischen Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege stark. „Die Kindertagespflege durch Tagesmütter und -väter ist eine wichtige Säule der Kinderbetreuung im Land und eine wertvolle Ergänzung der institutionellen Angebote“, so Reinhart. Deswegen fordere die CDU, dass „die finanziellen und beruflichen Rahmenbedingungen für Tagespflegepersonen verbessert werden“. Es sei zunächst notwendig, die Bezahlung der Tageseltern pro betreutem Kind und pro Stunde „um bis zu einem Euro zu erhöhen“. Dies solle rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres umgesetzt werden.

Land übernimmt Teil der Kosten

Derzeit erhalten Tageseltern für ein Kind unter drei Jahren 5,50 Euro je Stunde und für ein Kind ab drei Jahren sogar nur 4,50 Euro. Dieses Geld müssen die Tageseltern, die als Selbstständige tätig sind, versteuern – und alle weitere Betreuungskosten selbst bestreiten. Wird Reinharts Vorstoß realisiert, müsste das Land jährliche Mehrkosten in Höhe von bis zu 16 Millionen Euro übernehmen. Umgesetzt werden könnte die Forderung im Pakt für Bildung und Betreuung, den die grün-schwarze Regierung gerade mit den kommunalen Landesverbänden verhandelt. Dem Vernehmen nach stehen die Chancen gut, dass die Tageseltern mehr Geld bekommen.

Generell sind in Baden-Württemberg zwar die Kommunen für die Kindertagespflege zuständig, doch das Land übernimmt einen Teil der Betriebskosten. Und hier geht es um durchaus stattliche Beträge. Allein für die Kleinkindbetreuung – also Kinder unter drei Jahren – gab es vom Land 2017 Zuweisungen in Höhe von 824 Millionen Euro an die Kommunen. Davon wurden rund 60 Millionen Euro auf die Stadt- und Landkreise für die in der Tagespflege betreuten Kinder verteilt. Der größte Teil wird für öffentliche Betreuungseinrichtungen verwendet. In diesen befinden sich momentan im Südwesten rund 420 000 Kinder im Alter von bis zu 14 Jahre. Mit mehr als 350 000 Kindern ist der größte Teil von ihnen unter sechs Jahren und damit im klassischen Kita-Alter.

Zudem haben die Eltern von Kindern im Alter von bis zu sechs Jahren in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Seit 2013 gilt diese Regelung auch für Unter-Dreijährige. „Ohne die Tageseltern könnten die Kommunen diesem Rechtsanspruch gar nicht gerecht werden“, sagt Christina Metke, Vorsitzende des Landesverbands Kindertagespflege in Baden-Württemberg.

Sie fordert schon lange eine bessere Bezahlung der Tageseltern. „Seit sechs Jahren ist an den Empfehlungen der kommunalen Spitzenverbände zur Bezahlung von Tageseltern nichts verändert worden“, beklagt sie. Metke betont die größere Flexibilität, die Tageseltern im Vergleich zu Kindertagesstätten bieten können. „Tageseltern sind oft sehr flexibel und können zum Beispiel Kinder betreuen, deren Eltern Schichtarbeit verrichten“, so Metke. Zudem würden Kinder auch am Wochenende betreut oder Übernachtungen angeboten.

Diese Flexibilität werde gerade dann nachgefragt, wenn beide Eltern beruflich stark eingespannt seien. Auch bei den Örtlichkeiten seien Tageseltern flexibel. „Entweder es wird in den eigenen vier Wänden betreut, in angemieteten Räumen – oder sogar im Haushalt der Eltern“, erklärt Metke. Gerade bei den angemieteten Räumen sieht Reinhart Verbesserungsbedarf.

Er fordert, dass hier auch mehr als zwölf Kinder durch Tageseltern betreut werden dürfen. Auch dies würde die Einkommenssituation der Betreuungspersonen verbessern.

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