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Pandemie Während der Corona-Krise wollen sich viele einen Hund anschaffen / Experten warnen vor übereilten Entscheidungen

Tierheime verzeichnen hohes Interesse

Archivartikel

Altenstadt/Frankfurt.Home-Office und Abstandsregeln, weniger Kontakte und viel Zeit zu Hause: In der Corona-Zeit ist bei manchen Menschen das Interesse an Haustieren gestiegen. Das haben auch einige Tierheime in Hessen zu spüren bekommen. „Die Vermittlungszahlen sind offenbar in die Höhe gegangen“, sagt Dani Müller vom Landestierschutzverband Hessen in Altenstadt. Sie betont aber auch: „Als Tierschützer schauen wir kritisch drauf, damit das Tier nicht instrumentalisiert wird, als Ersatzpartner oder Lückenbüßer.“

„Die Nachfrage war höher als normal, man hat gemerkt, die Leute haben Zeit“, sagte Beate Balzer, Vorsitzende des Tierheims in Babenhausen. „Wir haben vermehrt Anfragen bekommen von Leuten, die helfen und beispielsweise mit den Hunden Gassi gehen wollten“ ergänzt Ulrike Weber, Vorsitzende des Tierheims in Darmstadt. Balzer empfand die letzten Wochen und Monate als besonders anstrengend, auch wenn sich die Situation allmählich entspanne. „Es war alles zeitaufwendiger und stressiger.“

Vermittlungen liefen nur mit vorheriger Terminabsprache. Auch Ehrenamtliche durften nicht kommen, weil das zu gefährlich war. „Wir haben alles drangesetzt, dass es keine Infektionen gibt. Ein Tierheim unter Quarantäne wäre eine Katastrophe. Irgendjemand muss ja die Tiere versorgen.“

Auch im Frankfurter Tierheim sind die Sicherheitsbedingungen nach wie vor hoch. Besuche seien nur in Einzelfällen nach vorheriger Absprache möglich, heißt es auf einem Schild am Eingang. Das gesamte Areal, das am Rande der Stadt in einem Industriegebiet liegt, darf nur mit Mundschutz betreten werden. „Wir sind ja keine Gaststätte, die einfach zumachen kann, wenn es zu Infektionen kommt“, sagt Leiterin Sabine Urbainsky. Bis zu 300 Tiere sind hier untergebracht.

„Zu Beginn der Corona-Krise haben viele Leute angerufen und sogar gefragt, ob man sich Tiere ausleihen kann“, berichtet Urbainsky. Die wenigsten hätten sich überlegt, wie es nach Corona mit dem Tier weitergehe. . „Die Leute haben sich vorgestellt, dass das für das Tier wie ein Urlaub ist.“ Auch der Deutsche Tierschutzbund rät zu einer langfristigen Vermittlung: „Eine Rückkehr ins Tierheim nach nur kurzer Zeit wäre für das Tier purer Stress oder sogar traumatisierend“, hieß es dort kürzlich. Aber warum ist die Nachfrage nach einem tierischen Begleiter während der Corona-Zeit gewachsen? „Die Leute haben mehr Zeit und machen sich auch grundsätzlicher mehr Gedanken über ihr Leben und ihren Alltag“, sagt Müller vom Landestierschutzverband, dem hessenweit um die 60 Heime angeschlossen sind. lhe